Interview mit Architekt Peter Riepl 5 Minuten Lesezeit
voestalpine open space

Interview mit Architekt Peter Riepl

Viktoria Steininger
Holds editorial responsibility for blog topics, is researching and writing articles. Her stories give insights into the world of the voestalpine Group.

Im Interview spricht Architekt Peter Riepl über die Entstehung und die Herausforderungen bei der Umsetzung des voestalpine open space.

Das architektonische Konzept für voestalpine open space wurde vom Architekturbüro Riepl/Riepl in Linz in enger Abstimmung mit dem OÖ Kulturquartier und der voestalpine Krems Finaltechnik GmbH entwickelt. 

"Der architektonische Anspruch von uns war, ein Konzept zu entwickeln, das den Menschen ermöglicht, zu ungewohnten Wahrnehmungen und Erlebnissen zu gelangen. "
ZitatPeter Riepl, Architekt

Herr Riepl, wie ist das Projekt „voestalpine open space“ entstanden?

Das konkrete Projekt steht in Zusammenhang mit dem Höhenrausch in Linz, bei dem man über den Dächern der Stadt bis dato unzugänglichen Raum erschloss. Aus dem heraus wagen wir nun den nächsten, wichtigen Schritt. Dort, wo momentan noch nichts ist, wird ein neuer, großer Stadtraum geschaffen. Der Bevölkerung soll die Möglichkeit geboten werden, die Stadt neu zu erleben – verbunden mit zeitgenössischer Kunst. Ausstellungsräume gibt es ja öfters, aber das ist nicht nur ein Ausstellungsraum. Der voestalpine open space ist aufgrund der Präsenz und der besonderen Struktur so etwas wie öffentlicher Raum. Es ist eine Mischung aus klassischem Kulturraum und öffentlichem Raum, und das ist etwas Besonderes.

 

Wie ist die Zusammenarbeit mit der voestalpine entstanden?

Es war die Idee da, den Raum zu machen, und dann haben wir nach einem Partner gesucht, mit dem wir das Konzept bestmöglich und mit den größten Synergien umsetzen können. Da für die Umsetzung des Konzepts der Werkstoff Stahl eine wichtige Rolle spielt, war für uns sofort klar, die voestalpine als Partner reinzuholen. Als wir das erste Mal bei voestalpine angeklopft haben, wurde die Spur weiter nach Krems zur Finaltechnik gelegt. Das war eigentlich der Schlüsselmoment. In Kooperation mit den Technikern der voestalpine Finaltechnik haben wir einen Weg gefunden, die Idee Realität werden zu lassen.

 

Was ist aus architektonischer Sicht das Besondere an diesem Projekt?

Der architektonische Anspruch von uns war, ein Konzept zu entwickeln, das den Menschen ermöglicht, zu ungewohnten Wahrnehmungen und Erlebnissen zu gelangen.

voestalpine open space

Der voestalpine open space entsteht durch eine Überbrückung zwischen dem Offenen Kunsthaus (OK) und dem Bürogebäude am OK Platz.

Beim voestalpine open space geht es um einen neuartigen Stadtraum. Durch die offene Stahlkonstruktion beschreiten wir ein völlig neues Terrain. Abseits der bestehenden Plateaus wird durch eine Überbrückung zwischen dem Offenen Kunsthaus (OK) und dem Bürogebäude am Platz ein Raum geschaffen, der bis dato noch nicht existiert hat. Besonders ist auch das System von Stegen und Wegen: ausgehend vom Mediendeck des OKs kann man auf das Dach der Gitterstruktur bis hinunter über die arenaartige Theatertreppe flanieren.

 

Warum der Werkstoff Stahl?

Stahl bietet aufgrund seiner besonderen Fähigkeiten die Möglichkeit, pionierhaft Räume zu erschließen, die uns sonst verschlossen bleiben würden. Dabei geht es um Spannweitenüberbrückung und darum, raumgreifende Konstruktionen zu entwickeln.

Aber der Werkstoff Stahl hilft nicht nur dabei, größere Spannweiten zu überbrücken und filigran bauen zu können. Was hier an Besonderheit entsteht, schaffen wir nur mit Stahl. Alles andere wäre dicker, schwerer und massiver.

 

Was war aus Ihrer Sicht die Herausforderung für die voestalpine Finaltechnik?

Eine besondere Herausforderung war sicherlich, das bewährte System ihres Hochregallagers für eine völlig andere Anwendung zu adaptieren. Nur durch eine sehr zarte, filigrane Konstruktion ist so ein „Bauwerk“ realisierbar. Es erfordert präzises Arbeiten und eine intelligente Konstruktion. Was aber am Wichtigsten ist: man muss sehr offen für innovative Ansätze sein, um so ein Projekt überhaupt entwickeln zu können.

 

Was sind die Erfolgsfaktoren bei der Umsetzung eines solchen Projekts?

Die Grundlage des Erfolgs ist bestimmt gutes Teamwork. Aus einem kooperativen Miteinander entsteht zusätzliche Kraft für die Idee. In diesem Sinn waren die Mitarbeiter der voestalpine Finaltechnik in Krems für uns sehr animierende Partner. Der Glaube an eine Idee und das Ganze mit Esprit anzugehen und nicht nur defensiv, das war die Qualität des Prozesses.

 

Herr Riepl, was ist Ihre persönliche Vision für die Zukunft?

Ich denke, dass der Raum für unterschiedlichste Begegnungen sorgen wird. Begegnungen mit der Stadt, die man aus einer neuartigen Perspektive sieht. Begegnungen mit zeitgenössischer Kunst, Begegnungen an einem stimulierenden Ort und nicht zuletzt Begegnungen zwischen Menschen.

Ich glaube, dass dort zu sein auch kommunikativ inspirierend ist. Ob das jetzt in Form von verschiedenen Veranstaltungen ist oder ob es einfach nur darin besteht, dass man den Raum nutzt. Unter anderem ist ja auch gedacht, die Treppe des Kinos – die so genannte „Spanische Treppe von Linz“ – untertags zum Relaxen als Chillout-Zone zu verwenden. Man kann von dort Richtung Pöstlingberg und Mühlviertel sehen, im Sommer hat man dort die Abendsonne, welche über dem Donautal untergeht.

Wir sind davon überzeugt, dass wir mit der Struktur den Menschen Möglichkeiten bieten können, die sie bis dato nicht hatten. Ich hoffe natürlich, dass es auch außerhalb Linz populär wird – denn dieses Projekt ist schon etwas Einzigartiges, was es in dieser Weise noch nicht gibt.

 

Zur Person: Peter Riepl

Peter Riepl

Peter Riepl, Architekt

geboren 1952

Studium an der Universität Innsbruck

seit 1985: Atelier in Linz (Riepl Riepl Architekten)

seit 2007: Atelier in Wien (Riepl Kaufmann Bammer Architektur)

1988 – 1994: Bürogemeinschaft mit Thomas Moser

 

 

 

 

 

 Mehr Informationen zu voestalpine open space: www.voestalpine.com/openspace

Viktoria Steininger