Ein Kapitän aus Leidenschaft 4 Minuten Lesezeit
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Ein Kapitän aus Leidenschaft

Viktoria Steininger
Redaktionell verantwortlich für die Themen am Blog, recherchiert und schreibt Viktoria Steininger auch selbst und gibt mit Geschichten Einblicke in den voestalpine-Konzern.

Hans Wagner ist Kapitän und täglich auf dem Main-Donau-Kanal mit seinem Frachter unterwegs. Oft auch mit Transporten für die voestalpine in Linz.

Klangwolke Donaufrachter - Kapitän

Ottensheim ist eines von nur 18 Donaukraftwerken. Die Schleusung hier dauert kaum 20 Minuten.

Der Main-Donau-Kanal ist ein wichtiger Verkehrsweg für den Donauschiffsverkehr und verbindet den Main mit der Donau. Mit ihm entstand ein durchgehender Kanal (Europakanal) zwischen der Nordsee und dem Schwarzen Meer, der über Rhein, Main und Donau verläuft. Kapitän Hans Wagner ist seit fast einem halben Jahrhundert mit seinem Frachter auf dieser Strecke unterwegs – oft auch mit Transporten für die voestalpine. Auf einer seiner zahlreichen Fahrten von Linz Richtung Deutschland wurde der erfahrene Kapitän begleitet und gewährte einige interessante Einblicke in die Schifffahrt.

 

Ladung im Linzer Hafen

Donaufrachter

Schiffsgrößen wie jene der Jaguar rechnen sich nicht mehr. Ab 22.00 Uhr muss Hans Wagner zum Übernachten anlegen, denn bei nur zwei Besatzungsmitgliedern, darf die Jaguar nicht länger fahren. Nebenan hat ein wesentlich größeres Schiff festgemacht. Mit einer Erzlieferung – wahrscheinlich aus Brasilien – für die voestalpine.

„Linz ist eine der besten Werften, die ich kenne“, sagt Kapitän Hans Wagner, als sein Frachter, die MS Jaguar, dort ablegt. Der Mann weiß, wovon er spricht. Immerhin hat er 49 Jahre Erfahrung mit der Flussfahrt und besitzt das Schifffahrtspatent von den ARA-Häfen (Antwerpen, Rotterdam, Amsterdam) im Norden bis zum ungarischen Mohacs. Auf dem Rhein hat er 1965 begonnen zu lernen. Seit 1986 gehört ihm sein Schiff. Seitdem der Rhein-Main-Donau-Kanal 1992 eröffnet wurde, fährt der Kapitän auf dieser Strecke. Er transportiert auch immer wieder Güter für die voestalpine Stahl GmbH. Diesmal ist es Konverterkalk, den Wagner donauaufwärts bringen wird. Ein Hüttenprodukt, das bei der Stahlherstellung anfällt und zur Säureregulierung und Düngung von landwirtschaftlichen Böden eingesetzt wird. Über 1.000 t hat er geladen. Am Tag zuvor ist er mit 1.100 t Erz angekommen.

Über Nacht wurde die Fracht gelöscht, das Schiff gereinigt und neu beladen. „Die Menge ist aber natürlich wasserabhängig.“ Ein Problem, das er auf dem tiefen Rhein nicht hat. Die Donau ist da wandelbarer. Zuletzt hatte Wagner nur 440 t Erz gelagert; mehr war aufgrund des Niedrigwassers in Bayern nicht möglich.

 

Fahrt von Linz Richtung Nordwesten

Das Frachtschiff "Jaguar"

In Passau war die Strömung so stark oder eine Boje wurde falsch gesetzt und die Jaguar lag auf Sand.

Auf der Anfangsstrecke durch Linz müht sich das 1.200 t schwere und 86 m lange Schiff, trotz einer 800 PS starken Maschine, mit knapp 3 km/h. Bei der Geschwindigkeit wird die MS Jaguar ihr nächstes Ziel, Eggolsheim am Main-Donau-Kanal, voraussichtlich in vier Tagen erreichen.„Sie könnte auch schneller“, meint Kapitän Wagner, „aber die alte Dame muss man schonen.“ Immerhin wurde sie vor über 50 Jahren in den Niederlanden aus der Taufe gehoben. Es geht bis zur ersten Schleuse in Ottensheim also eher gemächlich dahin. Erst auf der Strecke dahinter und insbesondere nach der Schleuse Aschach mit ihren rund 16 m Fall, nimmt das Schiff richtig Fahrt auf. „Das ist die Rennstrecke hier“, sagt Wagner während der Tacho auf 13,4 km/h hochschnellt. Und es ist seine Lieblingsstrecke. Nicht wegen der atemberaubenden Geschwindigkeit, sondern weil ihm die Landschaft gefällt und weil kaum Verkehr herrscht. Man kann kaum glauben, dass das Verkehrsaufkommen auf der Donau seit der Eröffnung des Kanals um 200 % gestiegen sein soll.

 

„Ab Vilshofen gibt’s Stress, weil die Donau so eng wird. Da fängt das auch mit dem Niedrigwasser an“, erklärt Wagner und ruft wieder die Wasserstände ab. Bei der Einfahrt nach Passau (links der Zufluss des „grünen“ Inn, in der Mitte die „braune“ Donau, rechts die „schwarze“ Ilz) geht plötzlich gar nichts mehr. Die Strömung ist entweder so stark oder eine Boje wurde falsch gesetzt und die Jaguar liegt auf Sand. „Das habe ich noch nie erlebt“, sagt Hans Wagner. Wirklich noch nie? In 49 Jahren? Nein, aber das sei nichts Besonderes. Die Donau ist immer für Überraschungen gut.

 

Ein Kapitän aus Leidenschaft

Doch das ist nicht die einzige Schwierigkeit bei Donaufahrten. In Bayern gibt es nicht nur Niedrigwasser und Engstellen. Vier der Kraftwerke dort haben vor allem lediglich eine Schleusenanlage, was erstens das gleichzeitige Schleusen von zwei Schiffen verhindert und bei Wartungsarbeiten zu wochenlangen, vollständigen Sperren führt. Aber es ist nicht so, dass Hans Wagner sich während dieser Zeit frei nimmt. Er fährt nur einfach nicht durch diesen Abschnitt. Urlaub hatte er zuletzt im Jahr 2000. Geflogen ist er überhaupt noch nie. Ansonsten arbeitet er sieben Tage die Woche.

"Wenn man keinen Enthusiasmus hat, geht dieser Job nicht. Das muss man wirklich lieben."
Kapitän Hans Wagner
Viktoria Steininger