European Steel Day 2017: Der Weg in eine digitale und umweltfreundliche Zukunft 3 Minuten Lesezeit
Energie

European Steel Day 2017: Der Weg in eine digitale und umweltfreundliche Zukunft

Viktoria Steininger
Holds editorial responsibility for blog topics, is researching and writing articles. Her stories give insights into the world of the voestalpine Group.

Der European Steel Day 2017 am 10. Mai in Brüssel beschäftigte sich mit der fortschreitenden Digitalisierung und dem Potenzial des Werkstoffs Stahl zur CO2-Emissionsverringerung. Experten und Branchenvertreter, darunter voestalpine-Vorstand Herbert Eibensteiner, gingen den wichtigsten Fragen für eine digitale, kohlenstoffarme Zukunft nach.

Motto “A digital, low-carbon future for steel?”

Die hochrangige Konferenz, die von der European Steel Association (EUROFER) ausgetragen wurde, stand ganz im Zeichen des digitalen Wandels und inwieweit dieser die europäische Stahlindustrie verändern wird. Insbesondere wurde aber auch über Innovationen in der Stahlproduktion zur Verringerung von CO2 sowie den Beitrag des Werkstoff Stahls zur Emissionsreduktion gesprochen.

Stahlproduktion: Klima und Energie als wichtiges Thema

Die Stahlindustrie hat in Bezug auf Emissionen eine bedeutende Erfolgsbilanz vorzuweisen. Durch die stetige Entwicklung neuer und hochqualitativer Werkstoffe können Produkte für Branchen entwickelt werden, die dabei helfen, CO2-Emissionen zu verringern:

  • Mobilität (Leichtbau, Verringerung von Kraftstoffverbrauch und Emissionen),
  • Energieeffizienz (z.B. Stromerzeugung),
  • Öffentlicher Verkehr, Bahninfrastruktur sowie
  • Energieinfrastruktur und erneuerbare Energien.

Andererseits wird gerade in Europa auf der Produktionsseite viel in Forschung und Entwicklung investiert, um die CO2-Emissionen der Stahlproduktion zu verringern. Die europäischen Stahlhersteller haben beispielswiese ihre CO2-Bilanz pro Tonne seit 1970 um 50 % reduziert. Gleichzeitig wurde auch der Energieverbrauch halbiert. Durch die Klimaschutzziele von UN und EU sind jedoch weitere Innovationen für eine umweltfreundlichere Produktion – d.h. grundlegende Technologiewechsel in der Herstellung – erforderlich.

European Steel Day

Podiumsdiskussion mit Herbert Eibensteiner (links). © Eurofer, Fred Guerdin

Politische Rahmenbedingungen als entscheidender Faktor

Die ehrgeizigen Klimaschutzziele der EU, die auch ins Weltklimaabkommen der Vereinten Nationen eingebracht wurden, sehen vor, 80-95 % der CO2-Emissionen bis 2050 zu reduzieren. Welche Rahmenbedingungen und neue Lösungen es in der Stahlproduktion dazu braucht, wurde bei der Podiumsdiskussion unter dem Motto „CO2 mitigation in steel and with steel“ diskutiert. Herbert Eibensteiner, Mitglied des Vorstands des voestalpine-Konzerns und Leiter der Steel Division, wies auf die Wichtigkeit von global einheitlichen Rahmenbedingungen („global level playing field“) hin, die er bislang jedoch vermisst.

"Wir brauchen eine klare Richtung, wohin sich die EU-Energieunion entwickelt. Wir im voestalpine-Konzern arbeiten stetig an Innovationen: Allein in den letzten zehn Jahren haben wir deutlich über 2 Milliarden Euro nur für den laufenden Betrieb unserer Umweltanlagen in Österreich aufgewendet. Dennoch brauchen wir eine einheitliche Rahmenstrategie als Grundlage für zukünftige Entscheidungen."
ZitatHerbert Eibensteiner, Mitglied des Vorstands des voestalpine-Konzerns und Leiter der Steel Division

Es gehe nicht nur um die Senkung von CO2-Emissionen, sondern vielmehr um eine übergreifende  Rahmenstrategie für klima-, energie- und wachstumspolitische Themen wie

  • Handelspolitik: vollständige Anwendung WTO-tauglicher Instrumente zur Bekämpfung unfairer Handelspraktiken durch Drittstaaten (Anti-Dumping Maßnahmen)
  • Umweltpolitik: einheitliche Vorgaben, um in Europa aber auch global wettbewerbsfähig zu bleiben
  • Klima-/Energiepolitik: integrierte Klima-/Energiepläne auf europäischer Eben (zB: maximale Vereinheitlichung des Energiemarkts und der Energiekosten zur Vermeidung von Wettbewerbsverzerrungen auf dem europäischen Binnenmarkt sowie ausreichender Schutz der Carbon-Leakage gefährdeten Industrie ) .

Die Experten der Podiumsdiskussion waren sich einig, dass für eine langfristige Planungs- und Rechtssicherheit koordinierte Anstrengungen von Politik und Energiewirtschaft von entscheidender Bedeutung sind. Nur so kann man gezielt mögliche Entwicklungen erarbeiten und die strategischen Weichen für die Herausforderungen der Zukunft stellen.

Weitere Informationen:

    Viktoria Steininger