Die Energieaussichten bis 2050: zunehmend windig 3 Minuten Lesezeit
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Die Energieaussichten bis 2050: zunehmend windig

Stephanie Bauer
Als voestalpine Digital Native der ersten Stunde ist Stephanie Bauer für die Corporate Online & Social Media Strategie verantwortlich, als Chef vom Dienst für das Themenmanagement im Newsroom.

Gerade mal knapp 5 Prozent des europäischen Stromverbrauchs werden derzeit aus Windenergie gedeckt. Bis 2050 sollen es 50 Prozent sein, geht es nach den Erwartungen der European Wind Energy Association (EWEA). Die Windbedingungen in Österreich sind günstig, ausnahmsweise sogar was Bürokratie betrifft: Denn schneller werden neue Anlagen nur in Finnland genehmigt.

Im Vorjahr entfielen 40 Prozent der in Europa neu installierten Kraftwerksleistung auf die Windenergie, elf Prozent auf Photovoltaik; alle erneuerbaren Energieträger zusammen schafften es sogar auf über 60 Prozent. Windkraft übertraf damit den Zahlen der EWEA zufolge zum zweiten Mal hintereinander alle anderen Energiequellen und legte gegenüber 2008 um 23 Prozent zu. Dies entspricht auch der durchschnittlichen jährlichen Steigerung über die letzten 10 Jahre.

Spitzenreiter im Windenergie-Ausbau waren im Vorjahr Spanien, Deutschland, Italien, Frankreich und Großbritannien. Die Steigerungsrate in Österreich entspricht einer leicht zu merkenden Zahl: Sie betrug genau 0 Prozent. “Entgegen den internationalen Trend wurde in Österreich kein einziges Windrad” errichtet, stellte die heimische IG Windkraft fest, der neue Einspeisetarif gebe jedoch Hoffnung auf Besserung. Politische Absichtserklärungen einzelner Bundesländer, etwa Oberösterreich oder Burgenland, den Anteil der Windkraft in ihrem Bereich massiv steigern zu wollen, gibt es bereits.

Das geringste Hindernis dafür dürfte die ansonsten viel gescholtene Bürokratie darstellen: Das aus EU-Mitteln finanzierte und von der EWEA koordinierte Projekt “Wind Barriers” hat herausgefunden, dass Österreich bei Genehmigungsverfahren für neue Windkraftanlagen lediglich von Finnland übertroffen wird. Die Finnen benötigen für die Baubewilligung knapp mehr als acht Monate, die Österreicher zehn, die Rumänen 15 und die Italiener 18 Monate. Sehr viel Geduld müssen Betreiber hingegen am anderen Ende der Skala aufbringen, wo man langfristig planen und im Horizont mehrerer Jahre denken sollte – allen voran in Griechenland (50), Spanien (57,7) und Portugal (58 Monate). Der EU-Durchschnitt liegt on-shore bei 42,3 und off-shore bei 18,5 Monaten.

Weniger gut Österreich allerdings im Vergleich der Behördenanzahl, die durchschnittlich im Genehmigungsprozess involviert sind. Die 30 Behörden, die es in Österreich zu überwinden gilt,werden lediglich von Finnland (34) und Griechenland (41) übertroffen.

Der Reiz der Windenergie liegt in ihrem Ausbaupotenzial. Bis 2050, so Experten der European Wind Energy Association bei ihrem jüngstem Kongress in Waschau, könnte Europa 50 Prozent seines Energiebedarfes aus Windkraft decken – das entspricht einer Verzehnfachung des bisherigen Anteils. “Das Potenzial ist da, wir sind bereit”, bekräftigte EWEA-Vorstand Christian Kjaer. Voraussetzung sei jedoch, dass die Infrastruktur und ein gesamteuropäischer Strommarkt forciert würden.

Doch bleiben wir bei überschaubaren Horizonten. Alleine die nationalen Ziele bis 2020 zeigen das enorme Potenzial im gesamten Bereich der erneuerbaren Energien. Die nachfolgende Grafik stellt den derzeitigen Anteil an grünen Energietechnologien den angepeilten Zielwerten der einzelnen Länder gegenüber. Sie verdeutlicht nicht nur den sehr unterschiedlichen Entwicklungsstand, sondern auch die enormen Entwicklungsmöglichkeiten von Solar, Wind & Co.

 

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