CO2-neutraler Standort – Innovatives Umweltmanagement in Zeltweg 3 Minuten Lesezeit
Energie

CO2-neutraler Standort – Innovatives Umweltmanagement in Zeltweg

Mareike Felhofer

Die voestalpine VAE GmbH, globaler Markt- & Technologieführer bei Weichensystemen für Bahnen, Metros und Straßenbahnen, betreibt am Standort Zeltweg (Steiermark) das größte Weichenwerk Europas – und dieses arbeitet seit Jahren CO2-neutral. Möglich gemacht wurde das durch eine Vision, ein höchst energieeffizientes Werk, aber auch durch eine gute Zusammenarbeit mit Betrieben, Behörden und Nachbarn in der Umgebung.

„Dieses erfreuliche Ergebnis unserer Maßnahmen beruht im Wesentlichen auf drei Säulen“, erklärt Manfred Torschitz, HSEE-Advisor der Metal Engineering Division und der voestalpine VAE-Gruppe. 19 Jahre lang war er in Zeltweg als Bereichsleiter für das Thema HSEE (Health, Safety, Environment & Energy) verantwortlich und hat in dieser Rolle das Projekt, den Standort CO2-neutral zu machen, mitkreiert. „Als Erstes war es natürlich notwendig, eine Effizienzsteigerung bei vorhandenen Anlagen, Gebäuden oder Heizungen zu erreichen und bei Neubauten die HSEE-Themen vom ersten Planungsschritt an mit zu integrieren.“ Tatsächlich gehen die ersten Ideen für ein energieeffizientes Werk auf das Jahr 2001 zurück, als man unter den ersten Teilnehmern am Klimabündnis für Betriebe in der Steiermark war.

"Damals waren die Augen und die Zweifel natürlich groß, als wir von einem CO2-freien Stahlverarbeitungswerk gesprochen haben. Aber der Samen war gesät und wir haben das Thema jahrelang weiterverfolgt."
Manfred Torschitz, HSEE-Advisor Metal Engineering Division & voestalpine VAE-Gruppe

Positive CO2-Bilanz

Die Energieeffizienz des Werks zu steigern, ist eine Sache. Den übrigen Bedarf einer recht energieintensiven Produktion allerdings aus erneuerbaren Quellen zu speisen, gestaltet sich dann noch einmal etwas herausfordernder. Bei den beiden anderen notwendigen Säulen habe dann auch der Zufall ein Stück weit Regie geführt, erklärt Torschitz: „Das Thema Energieeffizienz kann man noch alleine umsetzen. Hinsichtlich der Energieversorgung hätten wir das ohne Kooperationen aber nicht geschafft.“ So hat man sich im Jahr 2010 dazu entschlossen, 75 % der Heizenergie anstelle aus Erdgas aus einem neu in Zeltweg errichteten Biomassekraftwerk zu beziehen, welches seinerseits etwas später eine Zusammenarbeit zur Abwärmenutzung aus einem Papier- und Zellulosewerk in der Region realisiert hat. Die dritte Säule stützt sich auf ein Kleinwasserkraftwerk unweit des Standorts, mit dem das Unternehmen 80 bis 90 % seines Strombedarfs decken kann: „In den Nachtstunden und am Wochenende haben wir gleichzeitig einen Überschuss, den wir ins öffentliche Netz einspeisen. Daraus kann man berechnen, was dort an fossilen Energieträgern eingespart wird und wir können uns das in der CO2-Bilanz gegenrechnen lassen.“

"Unsere verbleibenden CO2-Emissionen werden durch unsere Einspeisungen des grünen Stroms bei weitem übertroffen. So ergibt sich seit Jahren eine positive CO2-Bilanz."
Manfred Torschitz

Erfolg durch Kooperation

Bei der Fernwärmeheizung durch das Biomassekraftwerk brauchte es den Zufall, dass der Anbieter überhaupt nach Zeltweg kam und ähnlich verhielt es sich beim Ausbau eines bestehenden Kleinwasserkraftwerks, so Torschitz: „Auch da braucht es Investitions- und Betriebspartner sowie die Zusammenarbeit mit der Gemeinde, den Behörden und den Anrainern, um das überhaupt möglich zu machen.“ Zwar gibt es bereits seit 2007 ein HSEE-Guidebook der voestalpine VAE-Gruppe, das seinen über 40 Standorten in mehr als 20 Ländern auf allen Kontinenten typische Probleme bei Gesundheit, Sicherheit, Umwelt und Energie aufzeigt sowie Best-Practices mit auf den Weg gibt (unter anderem gibt es mehr als 200 Mindeststandards, die eingehalten werden müssen), aber eine CO2-neutrale Energieversorgung wie in Zeltweg ist immer noch außergewöhnlich.

"Die Rahmenbedingungen, Größenordnungen und ökologischen Verhältnisse müssen stimmen. Das auf andere Standorte Übertragbare ist aber auch nicht, wie wir es im Detail umgesetzt haben, sondern wie wir nach einer Lösung gesucht haben und die Leute mit ins Boot geholt haben."
Manfred Torschitz

 

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