Digitalisierung in der IT: „Technologien sind nur ein Teil der Antwort“ 4 Minuten Lesezeit
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Digitalisierung in der IT: „Technologien sind nur ein Teil der Antwort“

Christopher Eberl
Holds editorial responsibility for career topics and for the apprentice website. His stories offer insights into the world of work at voestalpine.

Digitalisierung in der IT: Wir brauchen „open minded“ Mitarbeiter

Die IT nimmt im Prozess der Digitalisierung eine Schlüsselrolle ein. Welche das ist und welche Herausforderungen damit verbunden sind, erläutert Ferdinand Grah, Lead Consultant Digitalization bei der voestalpine group-IT GmbH, im Interview.

Digitalisierung ist in der voestalpine ein großes Thema. Woran denken Sie beim Wort Digitalisierung?

Digitalisierung wird medial oft als etwas Zukünftiges, Bedrohliches vermittelt, das über uns hereinbrechen wird. Aber es ist doch vielmehr so: Digitalisierung findet heute schon statt und ist keine Sache von morgen. Wir sollten ihr auch nicht mit Angst begegnen, sondern die neuen Technologien als Chance verstehen.

Stichwort „neue Technologien“: Da sind wir auch schon bei der IT. Die beschäftigt sich ja im Grunde mit neuen Technologien …

So ist es und genau das wollen und müssen wir in der IT ändern. Wir denken noch zu sehr in Technologien, in schnellen Lösungen. Aber Technologien sind nur ein Teil der Antwort. Wichtig ist: Wir müssen unsere Kunden – also in unserem Fall die Gesellschaften der voestalpine – verstehen. Die Kunden wollen keine Bohrmaschine, sie wollen ein Loch. Wir in der IT müssen aufhören, in Bohrmaschinen zu denken.

Sondern?

Wie müssen IT weiter denken, mehr Fragen stellen. Zuerst kommt immer die Frage nach dem „Warum?“: Wir müssen die Probleme der Kunden finden und verstehen. Dann erst heißt es für uns: „Was, wäre wenn?“, sprich wir entwickeln Ideen, auch „verrückte“ Ideen, wir denken neue Wege an. Und dann erst geht es an die konkrete Umsetzung, an die technologische Lösung: „Wie gehen wir das an?“.

Das klingt nach einem kulturellen Wandel …

In der Tat und wir sind da auf einem guten Weg. Wir arbeiten enger mit unseren Kunden zusammen als noch vor ein paar Jahren, tauschen uns in Workshops aus, setzen auf neue Methoden wie Design Thinking, Scrum, Lean Startup. Und auch unsere Teams verändern sich …

In welche Richtung?

Wir arbeiten verstärkt in multidisziplinären Teams, denn wir brauchen nicht nur IT-Experten, die sofort die richtige Lösung parat haben, sondern auch „IT-Laien“, wenn man so will, die die richtigen Fragen stellen. Wir brauchen Leute, die „open minded“ sind, neugierig, offen, die gerne experimentieren. Darauf achten wir auch, wenn wir neue Leute einstellen. Die digitale Transformation verändert nicht nur unsere Kunden, sie verändert auch uns selbst und wie wir in der group-IT an Aufgaben herangehen.

Veränderung ist immer auch mit Skepsis verbunden, wie ist das unter IT-Experten?

Wir sind erst am Anfang dieses Weges, aber wir sind gut unterwegs. Unsere Leute wissen schon längst: Die Zeiten, in denen Lösungen im stillen Kämmerlein erdacht wurden, sind vorbei. Die komplexen Herausforderungen der Digitalisierung können wir nicht alleine lösen. Deshalb suchen wir auch verstärkt die Kooperation mit Universitäten, mit externen Partnern, mit Start-Ups. Wir knüpfen neue Netzwerke.

Wie verträgt sich diese „Öffnung“ mit unserem weit verbreiteten Sicherheitsdenken?

Wir waren es bislang gewohnt, Wissen zu horten. Von dieser „Brockhaus-Mentalität“ müssen wir uns verabschieden – es geht darum, Wissen zu teilen, voneinander zu lernen. Aber natürlich geht auch um Security, darum, unseren Kunden lückenlose Datensicherheit zu gewährleisten. Diese Ambivalenz ist eine große Herausforderung, dessen sind wir uns bewusst.

Welche großen Herausforderungen sehen Sie noch für die IT?

Die IT-Landschaften, für die wir verantwortlich sind, werden immer komplexer – es kommen immer mehr Systeme, Plattformen und Apps dazu, das Puzzle wird größer und kleinteiliger. Und die Halbwertszeit der Technologien verkürzt sich immer mehr. Die Anzahl der neuen Lösungen wächst nicht linear, sondern exponentiell. Hier den Überblick zu bewahren, das ist nicht einfach, aber mit dem richtigen Mindset schaffen wir das auch. Wichtig ist, wie wir zusammenarbeiten und miteinander umgehen: Wir sind dabei, immer weniger „Ja, aber“ zu sagen und immer öfter „Ja, und“.

"Die digitale Transformation verändert nicht nur unsere Kunden, sie verändert auch uns selbst."
Ferdinand Grah
Ferdinand Grah ist seit 2008 bei der voestalpine group-IT und heute u. a. Lead Consultant Digitalization. Zuvor hat er namhafte Unternehmen wie Porsche oder IBM im Bereich Digitalization, Innovationsmanagement und Creative Leadership beraten und begleitet.

Ferdinand Grah ist seit 2008 bei der voestalpine group-IT und heute u. a. Lead Consultant Digitalization. Zuvor hat er namhafte Unternehmen wie Porsche oder IBM im Bereich Digitalization, Innovationsmanagement und Creative Leadership beraten und begleitet.

Christopher Eberl