Es geht um die Begeisterung

Sabine Schandl studiert an der Linzer FH. Seit September 2013 ist sie außerdem als Guide tätig. Eine Arbeit, die für sie mehr ist als ein simpler Nebenjob.

Frau Schandl, wie sind Sie eigentlich Guide geworden?

Ich war auf der Suche nach einem Job neben dem Studium und eine Freundin hat gemeint, das würde für mich passen, weil ich ja gerne rede (lacht). Und es passt wirklich gut, der Job macht großen Spaß.

Was ist es, das Spaß macht?

Der direkte Kontakt mit den Menschen … mit den unterschiedlichsten Menschen. Jede Gruppe ist anders. Und man bekommt sofort ein Feedback auf seine Arbeit, wo hat man das schon!

Wie schaut dieses Feedback aus?

Man sieht sofort die Reaktion der Besucher. Und es ist toll, wenn man die Begeisterung wecken kann. Gerade bei Kindern merkt man gleich, ob es ihnen gefällt oder nicht. In der Regel sind die Reaktionen sehr positiv – bei fast jeder Gruppe kommt am Schluss jemand zu mir und bedankt sich für die interessante Führung.

Das tut natürlich gut …

Und das gibt Selbstbewusstsein. Ich habe immer gern geredet, aber nicht so gern vor Gruppen. Das hat sich massiv geändert, seit ich Guide bin. Heute macht es mir nichts mehr aus, wenn ich an der FH eine Präsentation halten muss.

Wovon profitieren Sie noch, Ihre Arbeit als Guide betreffend?

Man lernt, sich schnell auf die verschiedensten Menschen einzustellen. Es ist ja jede Gruppe anders, man spürt relativ schnell, wie man mit der Gruppe umgehen kann, eher mit Schmäh oder eher sachlich. Da lernt man fürs Leben. Da ist auch Eigeninitiative gefragt.

Inwiefern Eigeninitiative?

Man bekommt ja eine Art Drehbuch mit allen wichtigen Informationen – aber wie man das dann umsetzt, wie man das rüberbringt, das entscheidet jeder für sich und je nach Gruppe. Da hat jeder Guide seinen eigenen Stil.

Wie war eigentlich der Start als Guide?

Am Anfang geht man mit anderen Guides mit, dabei lernt man sehr viel. Man bekommt auch von den Technikern an den Anlagen genaue Erklärungen. Und es gibt Schulungen, in denen man trainiert, wie man auf Fragen reagiert, wie man seine Stimme richtig und schonend einsetzt u. v. m.

Was sollte man mitbringen für die Arbeit als Guide?

Also ein Mauerblümchen sollte man nicht sein. Und es braucht eine gewisse Neugier, man muss schon auch was tun, viel lesen am Anfang. Als ich begonnen habe, hatte ich keine Ahnung von der Stahlerzeugung. Das Wissen baut sich dann Stück für Stück auf und das hört auch nie auf.

Was ist das Anstrengende an dem Job?

Hmmm … es geht auf die Stimme. Eine lange Führung dauert drei Stunden, wenn man da zwei hintereinander hat, dann merkt man das schon. Und man spürt seine Füße am Abend. Wir stehen ja die ganze Zeit und laufen viel rum …

Lässt sich der Job gut vereinbaren mit dem Studium?

Absolut. Ich bekomme die Termine der Führungen per E-Mail und kann selbst entscheiden, wie viele Führungen ich mache. Letzte Woche hatte ich vier, diese Woche keine, weil ich für eine Prüfung lernen muss. Diese Flexibilität ist grandios.

Gibt es so etwas wie Teamspirit, es ist doch jeder Guide allein, oder?

Also bei großen Gruppen ist man immer zu Zweit, da gibt man sich auch gegenseitig Feedback. Generell ist die Stimmung toll, wir helfen zusammen, springen ein, wenn jemand krank ist. Und es gibt auch immer wieder fixe Termine, da treffen sich alle Guides.

Was passiert an diesen fixen Terminen?

Das können Schulungen sein oder die gemeinsame Weihnachtsfeier (lacht). Heute Abend zum Beispiel haben wir ein Jour Fixe bei Dr. Eder, der nimmt sich Zeit für uns. Darauf freue ich mich sehr, das zeigt die Wertschätzung des Unternehmens gegenüber den Guides – wir sind ja die ersten Ansprechpartner für Besucher.

Was waren die Highlights Ihrer Guide-Zeit bisher?

Vor kurzem hatte ich eine Gruppe aus den Niederlanden – von einer landwirtschaftlichen Fachschule. Am Ende der Führung hab’ ich einen Geschenkskorb bekommen, das war rührend. Und ich kann mich noch an einen älteren Mann erinnern, auf Krücken, der wollte bei der Werkstour ungedingt mit auf den Hochofen hinauf, über die Stiege mit den 90 Stufen. Es war schwierig für ihn aber er war nachher so dankbar, weil das ein Lebenstraum war, er wollte das immer schon mal machen. Das hat mich sehr berührt.

Welche Gruppen haben Sie eigentlich besonders gerne?

Ich mag Volksschüler. Und Pensionisten, die sind so nett, so dankbar. Und Gruppen aus Bayern, die sind meistens sehr lustig.