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voestalpine mit solidem Ergebnis in schwierigem Umfeld

6. November 2013 | 

Die volatile Konjunkturentwicklung seit Jahresbeginn und die zuletzt eingetretene Verlangsamung der konjunkturellen Konsolidierung in Europa schlugen sich auch auf den Geschäftsverlauf des voestalpine-Konzerns nieder. Nach einem soliden ersten Quartal des aktuellen Halbjahres war das zweite Quartal durch noch zu Beginn des Sommers nicht erwartete Schwächen in einzelnen Geschäftsbereichen gekennzeichnet.

  • Leichter Umsatzrückgang um 3,5% von 5,9 auf 5,7 Mrd. EUR
  • Operatives Ergebnis (EBITDA) mit 687 Mio. EUR um 5,2% unter Vorjahr
  • Betriebsergebnis (EBIT) um 8% von 435 auf 401 Mio. EUR abgeschwächt
  • Margen nahezu unverändert (Rückgang EBITDA von 12,2 auf 12%, EBIT von 7,3 auf 7%)
  • Eigenkapital über 5 Mrd. EUR (+3,6%), Gearing Ratio von 51 auf 47% gesenkt
  • Investitionen um 44% von 301 auf 434 Mio. EUR gesteigert
  • Mitarbeiterstand auf rund 47.750 deutlich erhöht (+3,5%)
  • Umsetzung „Strategie 2020“ im Zeitplan

In Anbetracht des wirtschaftlichen Umfeldes und im direkten Branchenvergleich war die Entwicklung der voestalpine-Gruppe in den letzten sechs Monaten aber dennoch eine sehr ordentliche.

Wolfgang Eder Wolfgang Eder, Vorstandsvorsitzender der voestalpine AG

Ein wesentlicher Grund dafür ist die breite geografische und branchenmäßige Aufstellung des Konzerns. Vor allem über die einzigartige Kombination von Stahlerzeugung und -verarbeitung verfügt das Unternehmen über eine vergleichsweise krisenresistente Wertschöpfungskette, wobei die zunehmende Verarbeitung auch anderer Werkstoffe wie Aluminium, Titan oder Kunststoffen eine zusätzliche Differenzierung gegenüber der Konkurrenz bedeutet. Wolfgang Eder sieht dafür auch keine Alternative. „Der Stahlindustrie in Europa dürfte nach Jahren rückläufiger Nachfrage nichts anderes übrig bleiben, als sich mit dauerhaft niedrigeren Auslastungsniveaus abzufinden.“ Neben der ungelösten Frage der Bereinigung der massiven Überkapazitäten am europäischen Markt als existenzielles branchenspezifisches Problem, sieht Eder auch in einer generell industriefeindlichen Wirtschaftspolitik der EU die Ursachen für die weiter angespannte Situation. „Eine in immer mehr Bereichen das Machbare negierende Umwelt- und Klimapolitik, keine Strategie in der Energiepolitik, Kosten der Staats- und Gemeinwesen, welche die im globalen Vergleich höchsten Durchschnittssteuersätze erzwingen – das ist nicht der Stoff, aus dem die Zukunft eines wirtschaftlich erfolgreichen Kontinents besteht“, betont Eder einmal mehr. „Wer allerdings glaubt, die Lösung liege in der Rückkehr zu europäischen Nationalstaaten und in einer Abschaffung des Euro, der raubt Europa von vornherein jede Zukunft – zu klein, politisch und ökonomisch zu verwundbar wäre jede einzelne Volkswirtschaft", so Wolfgang Eder.

Festigung der Ergebnis-, Markt-, Qualitäts- und Technologieführerschaft

Im ersten Halbjahr 2013/14 verringerte sich der Umsatz des voestalpine Konzerns gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres aufgrund gesunkener Rohstoffpreise um 3,5% von 5.933 auf 5.724 Mio. EUR. Das operative Ergebnis (EBITDA) fiel von 725 auf 687 Mio. EUR (-5,2%). Das Betriebsergebnis (EBIT) entwickelte sich um 8% rückläufig und kam bei 401 Mio. EUR zu liegen (Vorjahr: 435 Mio. EUR). Ein im Jahresvergleich leicht verbessertes Finanzergebnis hielt den Rückgang des Ergebnisses vor Steuern mit 7,9% auf aktuell 320 nach 348 Mio. EUR im Vorjahr in Grenzen. Das Ergebnis nach Steuern beläuft sich nicht zuletzt aufgrund einer etwas gestiegenen Steuerquote auf 240 gegenüber 270 Mio. EUR (-11%). Das Eigenkapital konnte im Vorjahresvergleich um 3,6% auf 5,06 Mrd. EUR per 30. September 2013 gesteigert werden. Dieser Wert bedeutet gegenüber dem Bilanzstichtag 31. März 2013 (5,08 Mrd. EUR) trotz Dividendenzahlung eine praktisch konstante Entwicklung. Darauf ist – bei gleichzeitig positivem Free Cash Flow – im ersten Halbjahr 2013/14 auch der leichte Anstieg der Nettofinanzverschuldung gegenüber dem Beginn des Geschäftsjahres (2,26 Mrd. EUR) auf aktuell 2,37 Mrd. EUR zurückzuführen. Im Jahresvergleich konnte die Nettofinanzverschuldung um 5,1% abgebaut werden. Die Gearing Ratio (Nettofinanzverschuldung zu Eigenkapital) entwickelte sich im 12-Monatsvergleich deutlich rückläufig. Sie liegt per 30. September 2013 bei 46,7%.

Solide Position im Branchenvergleich

Der voestalpine-Konzern nimmt heute sowohl in Bezug auf die Profitabilität als auch in qualitativer und technologischer Hinsicht in seinen Kernsegmenten eine führende Position in Europa ein und ist darüber hinaus in wesentlichen Geschäftsbereichen Weltmarktführer. Das Ergebnis des ersten Halbjahres 2013/14 spiegelt diese Entwicklung wider.

Wir haben uns in den letzten 12 Jahren vom klassischen Stahlunternehmen zum stahlbasierten Technologie- und Industriegüterkonzern mit Fokus auf den technologisch herausforderndsten Kundensegmenten entwickelt. Die in den vergangenen Jahren konsequent umgesetzte Strategie der Verlängerung der Wertschöpfungskette auf Basis von Stahl-Premiumprodukten findet in der Ergebnisentwicklung gerade unter konjunkturell schwierigen Rahmenbedingungen ihre Bestätigung.

Wolfgang Eder Wolfgang Eder, voestalpine-CEO

Der Wachstumsfokus liegt dabei auf den technologisch anspruchsvollen Wachstumsbranchen Mobilität und Energie. Geografisch liegt der Schwerpunkt vor allem auf den Wachstumsmärkten außerhalb Europas. In Europa steht die Festigung der Markt-, Qualitäts- und Technologieführerschaft in den Kernbereichen im Vordergrund. Der weitere Ausbau des bereits heute dominierenden Verarbeitungsanteils wird – ergänzt um Alternativwerkstoffe – konsequent vorangetrieben, die Gruppe damit noch mehr als bisher zum Technologie- und Industriegüterkonzern.

Divisionen Metal Engineering und Metal Forming mit hoher Krisenresistenz

In den Divisionen Metal Engineering und Metal Forming lagen die Umsätze im Jahresvergleich nur geringfügig unter denen der ersten Hälfte des Vorjahres. Da beide Divisionen ihre Ergebnisse steigern konnten, trugen sie erheblich zur Stabilisierung des Konzern-Gesamtergebnisses bei. Neben positiven marktseitigen Entwicklungen führten vor allem die in beiden Divisionen konsequent umgesetzten Kostensenkungs- und Effizienzsteigerungsmaßnahmen zu sehr guter Ergebnisperformance. In den ersten sechs Monaten des Vorjahres war die Entwicklung der Steel Division von positiven Effekten aus tendenziell sinkenden Rohstoffpreisen bei gleichzeitig eher steigenden Preisen auf der Absatzseite geprägt. Für das heurige Halbjahresergebnis stellte sich die Situation genau umgekehrt dar. Bei kaum veränderten Preisen auf der Verkaufsseite führte aufkeimender Optimismus in China über den Sommer zu unerwartet hohen Rohstoffpreisen mit entsprechenden Auswirkungen auf die Margen. Zusätzlich war das Ergebnis der Steel Division im letzten Quartal durch einmalige Aufwendungen von 10 Mio. EUR beeinflusst, die allerdings in den nächsten beiden Jahren wieder kompensiert werden. In der Special Steel Division war nach einem soliden ersten Quartal 2013/14 das zweite Quartal von deutlicher Zurückhaltung auf der Kundenseite bei gleichzeitig sinkenden Schrott- und Legierungspreisen und zunehmender asiatischer Konkurrenz geprägt.

Unveränderter Ausblick auf das laufende Geschäftsjahr 2013/14

Die aktuellen Konjunkturerwartungen für die kommenden Monate unterscheiden sich wenig von den bisherigen. Es wird eine Fortsetzung der Entwicklung der letzten Monate, also eine weitere Stabilisierung auf mäßigem Niveau, erwartet. Dennoch erscheinen die Aussichten auf eine im Verlauf des Jahres 2014 zunehmende Konjunkturdynamik auf globaler Basis, vor allem im Hinblick auf sich doch abzeichnende budgetäre Restrukturierungserfolge einer Reihe europäischer Länder, die Stabilisierung des Wachstums in China bei etwas über 7% und dem deutlichen konjunkturellen Aufwärtstrend in Nordamerika, intakt.

Die treibende Kraft der Automobilindustrie in Europa wird auch weiterhin der Export bleiben. Unsicherheit in Bezug auf Umfang und Tempo der „Energiewende“ aber auch der Entwicklung des Ölpreises bremsen nicht nur in Europa seit inzwischen eineinhalb Jahren die Investitionstätigkeit im Energiesegment. Die in den großen Industriesektoren Automobil, Energie und Bau (der für die voestalpine nur noch eine untergeordnete Rolle spielt) nach wie vor fehlende Konjunkturdynamik kann auch durch eine deutlich bessere Entwicklung in einer Reihe von Nischensegmenten wie etwa der Hausgeräte- und Konsumgüterindustrie, dem Baumaschinen- und Landmaschinenbereich, der Eisenbahninfrastruktur, dem Flugzeugbau und dem Maschinenbau, nicht kompensiert werden.

Die Entwicklung des voestalpine-Konzerns sollte damit auch in der zweiten Hälfte des Geschäftsjahres 2013/14 weiterhin auf stabilem Niveau verlaufen. Dies bedeutet für die Steel Division solide Vollauslastung bei aber noch gedrücktem Preisniveau, für die Special Steel Division annähernde Vollauslastung bei leicht volatileren Preisen, für die Metal Engineering Division stabile Vollauslastung bei konstanten und damit unverändert attraktiven Preisen und für die Metal Forming Division weitestgehende Vollauslastung bei gut abgesicherten Preisen.

Für den voestalpine-Konzern zeichnet sich für das Geschäftsjahr 2013/14 vor dem Hintergrund einer sich leicht verbessernden Gesamtkonjunktur in den ersten Monaten des Kalenderjahres 2014 aus heutiger Sicht ein operatives Ergebnis (EBITDA) bzw. Betriebsergebnis (EBIT) in etwa auf dem Niveau des abgelaufen Geschäftsjahres ab.

Wolfgang Eder Wolfgang Eder, voestalpine-CEO

Der voestalpine-Konzern

Die weltweit tätige voestalpine-Gruppe ist ein stahlbasierter Technologie- und Industriegüter-konzern. Die Unternehmensgruppe ist mit rund 500 Konzerngesellschaften und -standorten in mehr als 50 Ländern auf allen fünf Kontinenten vertreten, sie notiert seit 1995 an der Wiener Börse. Der Konzern ist mit seinen qualitativ höchstwertigen Produkten einer der führenden Partner der europäischen Automobil- und Hausgeräteindustrie sowie weltweit der Öl- und Gasindustrie. Die voestalpine ist darüber hinaus Weltmarktführer in der Weichentechnologie und im Spezialschienenbereich sowie bei Werkzeugstahl und Spezialprofilen. Der Konzern erzielte im Geschäftsjahr 2012/13 bei einem Umsatz von 11,5 Milliarden Euro ein operatives Ergebnis (EBITDA) von 1,45 Mrd. Euro und beschäftigt weltweit rund 46.400 Mitarbeiter.