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voestalpine mit Ergebnissprung trotz leichtem Umsatzrückgang

5. Juni 2013 | 

Die im Geschäftsjahr 2012/13 leicht rückläufige Entwicklung des Umsatzes des voestalpine-Konzerns von 12,1 auf 11,5 Mrd. EUR (Minus 4,4 %) ist zum einen auf die gesamtkonjunkturelle Abschwächung, aber vor allem auf die gesunkenen Vormaterialkosten zurückzuführen. So gab es starke Preisrückgänge bei Eisenerz und Koks/Kohle, die an die Kunden weitergegeben wurden.

  • Leichter Umsatzrückgang von 12,1 auf 11,5 Mrd. EUR durch gesunkene Rohstoffpreise und neuerlichem Konjunkturabschwung
  • Steigerung des operativen Ergebnisses (EBITDA) um 11 % von 1,3 auf 1,45 Mrd. EUR
  • Betriebsergebnis (EBIT) um 21 % von 704 auf 854 Mio. EUR verbessert
  • EBITDA-Marge steigt von 10,8 % auf 12,5 %, EBIT-Marge von 5,8 % auf 7,4 %
  • Ergebnis je Aktie auf 2,61 EUR gestiegen (2011/12: 1,98 EUR)
  • Dividendenerhöhung von 80 auf 90 Cent je Aktie geplant
  • Eigenkapital erstmals über 5 Mrd. EUR, Gearing Ratio von 53,5 auf 44,5 % gesenkt
  • Investitionen um knapp 50 % von 575 auf 852 Mio. EUR gesteigert
  • Mitarbeiterstand trotz anhaltender Krise konstant (rund 46.400)

Auf der Ergebnisseite verzeichnete der stahlbasierte Technologie- und Industriegüterkonzern im Vergleich zum Vorjahr in allen Kategorien Zuwächse. Das operative Ergebnis (EBITDA) stieg auf 1,45 Mrd. EUR, dies entspricht einer Steigerung um 11 % (Vorjahreswert 1,3 Mrd. EUR). Das Betriebsergebnis (EBIT) konnte sogar um 21 % von 704 auf aktuell 854 Mio. EUR gesteigert werden. Die EBITDA-Marge steigt damit von 10,8 auf 12,5 %, die EBIT-Marge von 5,8 auf 7,4 %. Das Ergebnis vor Steuern erhöhte sich im Jahresvergleich um 30 % von 504 auf 655 Mio. EUR, das Ergebnis nach Steuern auf 522 Mio. EUR (Zuwachs um 26 % gegenüber 413 Mio. EUR). Das Ergebnis je Aktie stieg um 32 % von 1,98 auf 2,61 EUR. (Zu den Vergleichsziffern des Vorjahres ist darauf hinzuweisen, dass sie auch negative Einmaleffekte in Höhe von 205 Mio. EUR – Rückstellungen für das Schienenkartellverfahren in Deutschland sowie die Schließung der Standardschienenproduktion in Duisburg – beinhaltet haben).

Im Branchenvergleich Ergebnisführerschaft weiter ausgebaut

„In Anbetracht des konjunkturellen Umfeldes und im direkten Branchenvergleich war die Entwicklung der voestalpine-Gruppe im abgelaufenen Geschäftsjahr sehr erfreulich,“ so Dr. Wolfgang Eder. Ein wesentlicher Grund dafür ist die breite Aufstellung des Konzerns sowohl in geografischer als auch in branchenmäßiger Hinsicht. Vor allem aber die einzigartige Kombination von Stahlerzeugung und -verarbeitung sowie die zunehmende Anwendung anderer Werkstoffe wie Aluminium oder Titan bewirken eine immer stärkere Differenzierung von der Konkurrenz.

Wir haben uns in den letzten 12 Jahren vom klassischen Stahlunternehmen zum stahlbasierten Technologie- und Industriegüterkonzern mit Fokus auf den technologisch anspruchsvollsten Kundensegmenten entwickelt. Die in den vergangenen Jahren konsequent umgesetzte Strategie der Verlängerung der Wertschöpfungskette auf Basis von Stahl-Premiumprodukten findet in der Ergebnisentwicklung gerade unter konjunkturell herausfordernden Rahmenbedingungen ihre Bestätigung.

Wolfgang Eder Wolfgang Eder, Vorstandsvorsitzender der voestalpine AG

Massive Gearing-Reduktion, Investitionen von 852 Mio. Euro, Mitarbeiterstand stabil

Trotz des schwierigen wirtschaftlichen Umfeldes und einer Steigerung der Investitionen um annähernd 50 %, verringerte sich die Gearing Ratio (Nettofinanzverschuldung im Verhältnis zum Eigenkapital) von 53,5 % auf 44,5 %. Die deutliche Verbesserung der Eigen-/Fremdmittelrelation konnte sowohl durch eine Steigerung des Eigenkapitals (um 5 % von 4,8 auf 5,1 Mrd. EUR) als auch durch eine Senkung der Nettofinanzverschuldung (um 13 % von 2,6 auf 2,3 Mrd. EUR) erzielt werden. Vor allem der Abbau der Verschuldung um weitere 327 Mio. EUR ist bemerkenswert, da gleichzeitig Investitionen in Höhe von 852 Mio. EUR (ein Plus von 48 %) für die ersten Schritte zur Umsetzung der Wachstumsstrategie 2020 getätigt wurden. Der Gesamtmitarbeiterstand konnte mit rund 46.400 Beschäftigten (FTE) konstant gehalten werden.

Langfristige Konzernstrategie wird konsequent umgesetzt

Der voestalpine-Konzern ist bereits ab dem Börsengang 1995, insbesondere aber seit der strategischen Neuausrichtung im Geschäftsjahr 2001/02 konsequent seinen Weg des wertsteigernden Wachstums gegangen. Mit dieser Strategie nimmt die Unternehmensgruppe heute sowohl in Bezug auf die Profitabilität als auch qualitativ und technologisch in ihren Kernsegmenten eine führende Position in Europa ein und ist darüber hinaus in wesentlichen Geschäftsbereichen Weltmarktführer. Um diesen Status langfristig und konsequent weiter auszubauen, hat der Aufsichtsrat der voestalpine AG im Dezember 2012 die Konzernstrategie 2020 genehmigt. Der Wachstumsfokus liegt dabei auf den technologisch anspruchsvollen Wachstumsbranchen Mobilität und Energie, wo voestalpine in ihren Segmenten eine global führende Position anstrebt. Geografisch liegt der Schwerpunkt vor allem auf den Wachstumsmärkten außerhalb Europas. In Europa steht die Festigung der Markt-, Qualitäts- und Technologieführerschaft in den Kernbereichen im Vordergrund. Der weitere Ausbau des bereits heute dominierenden Verarbeitungsanteils wird konsequent vorangetrieben, die Gruppe damit noch mehr als bisher zum Technologie- und Industriegüterkonzern.

Dividende steigt von 80 auf 90 Cent pro Aktie, Total Shareholder Return von 572 %

Die Aktie der voestalpine AG ist seit Oktober 1995 an der Wiener Börse gelistet. Der Ausgabekurs von 20,71 EUR entspricht nach dem Aktiensplit von 1:4 im August 2006 einem Kurs von 5,18 EUR, womit sich bis Ende März 2013 seit dem Börsengang inklusive geleisteter Dividenden ein Total Shareholder Return von 572 % errechnet. Vorbehaltlich der Zustimmung der am 3. Juli 2013 stattfindenden Hauptversammlung wird für das abgelaufene Geschäftsjahr an die Aktionäre eine Dividende von 0,90 EUR je Aktie ausgeschüttet, was einer Steigerung gegenüber der Vorjahresdividende (0,80 EUR je Aktie) um 12,5 % entspricht. Bezogen auf das Ergebnis je Aktie von 2,61 EUR entspricht dieser Vorschlag einer Ausschüttungsquote von rund 35 %. Gemessen am durchschnittlichen Börsenkurs der voestalpine Aktie im Geschäftsjahr 2012/13 von 23,99 EUR ergibt sich daraus eine Dividendenrendite von 3,8 %. Das spiegelt fast exakt die durchschnittliche Dividendenrendite seit 1995 von 3,9 % wider.

Rückstellung für Schließung TSTG und Schienenkartellverfahren weiter ausreichend

Die 2012 gebildete Rückstellung in Höhe von 205 Mio. EUR (für den Themenkomplex Kartellverfahren sowie die Schließung der TSTG Schienen Technik) wird weiter als angemessen erachtet. Nach dem Vorstandsbeschluss vom Frühjahr 2012, die Schienenproduktion der TSTG in Duisburg zu schließen, wurden die in der Folge geführten Verhandlungen mit dem Betriebsrat über Interessenausgleich und Sozialplan für die verbliebenen rund 350 Mitarbeiter am 16. Mai 2013 erfolgreich zum Abschluss gebracht. Die Schließung wird nach Abarbeitung noch verbliebener Aufträge planmäßig gegen Ende des Kalenderjahres 2013 erfolgen.

Im Kartellverfahren betreffend Eisenbahn-Oberbaumaterial hat das deutsche Bundeskartellamt Anfang Juli 2012 Bußgelder in Höhe von insgesamt 124,5 Mio. EUR gegen vier Hersteller bzw. Lieferanten von Schienen wegen wettbewerbswidriger Absprachen zu Lasten der Deutschen Bahn AG verhängt. Davon entfielen 8,5 Mio. EUR auf Gesellschaften des voestalpine-Konzerns. Dieses Ergebnis hat den angestrebten Kronzeugenstatus für den weitaus überwiegenden Teil des Verfahrens bestätigt, das vergleichsweise geringe Bußgeld betrifft lediglich Randbereiche. Damit ist dieses Verfahren zum Hauptkomplex Deutsche Bahn abgeschlossen. Nach intensiven Verhandlungen ist es Ende April 2013 gelungen, auch eine Einigung mit der Deutschen Bahn in Bezug auf Schadenersatzleistungen für die von diesem Teil des Verfahrens umfassten Lieferungen im Rahmen des Schienenkartells zu erzielen.

Nicht zuletzt als Konsequenz aus diesem Kartellverfahren wurden 2012/13 im Rahmen des Compliance Managements umfangreiche Schulungs- und Trainingsmaßnahmen in allen Divisionen des Konzerns durchgeführt. So wurden allein im Rahmen eines webbasierten e-learning-Kurses mehr als 4.500 Mitarbeiter einer spezifischen Kartellrechtsschulung und mehr als 18.000 Mitarbeiter einer Schulung zum Verhaltenskodex inklusive Abschlusstest unterzogen.

Getrübter Ausblick auf das laufende Geschäftsjahr 2013/14

Das Jahr 2013 sollte nach viereinhalb Jahren Finanz- und Wirtschaftskrise in vielen Teilen der Welt endlich die Wende zum Besseren bringen – so die Expertenmeinungen zu Jahresbeginn. Die Fakten zeigen jedoch ein anderes Bild und wurden durch eine rezessive Entwicklung in Europa, einen holprigen Aufschwung in den USA und eine Fortsetzung der ökonomischen Unwägbarkeiten in China bestätigt. Indien stellt sich weiter lethargisch dar und der Ausgang der japanischen Geldflutung ist ungewiss, einzig Brasilien zeigte zuletzt echte Erholungstendenzen. Die Konjunkturprognosen für das Gesamtjahr wurden zwischenzeitlich nicht nur einmal auf breiter Front nach unten revidiert. Vor diesem Hintergrund erscheint es wenig wahrscheinlich, dass die erhoffte Konjunkturwende noch im heurigen Jahr eintritt. Mehr als eine vorübergehende Bedarfsbelebung aufgrund lagerzyklischer Effekte in einzelnen Industriesegmenten ist zunehmend unrealistisch.

Die Nachfrageindikationen der wichtigsten Kundenbranchen des voestalpine-Konzerns deuten für die nächsten Monate auf eine unverändert verhaltene Bedarfsentwicklung hin. In der Automobilindustrie zeichnet sich auf den außereuropäischen Märkten zwar weiterhin eine zufriedenstellende Nachfrageentwicklung ab, die Automobilproduktion in Europa hingegen wird auch mittelfristig mit einer rückläufigen Tendenz konfrontiert sein. Hauptgründe dafür sind einerseits die forcierten Produktionsverlagerungen einer Reihe von Herstellern in die Wachstumsmärkte und andererseits ein krisenbedingt wieder vorsichtigeres Kaufverhalten der europäischen Konsumenten.
Im Energiebereich ist die für 2013 erwartete Belebung der Projekttätigkeit im Bereich Öl- und Gasförderung bisher weitgehend ausgeblieben, die Erwartungen konzentrieren sich damit auf die zweite Jahreshälfte, in der eine spürbare Erholung bei Exploration und Produktion erhofft wird. Für die übrigen Bereiche der konventionellen Energieerzeugung zeichnet sich – abgesehen von China – auch im zweiten Halbjahr kein Aufschwung ab. Gleiches gilt für die Alternativenergie, wo die Rücknahme der Subventionen in vielen Ländern Investitionen zunehmend unwirtschaftlich macht.

Konsumgüter-, Hausgeräte- und Elektroindustrie sollten sich 2013 generell auf einem vergleichsweise noch relativ soliden Nachfrageniveau entwickeln, gleiches gilt für den Maschinenbau einschließlich der Sektoren Baumaschinen- und Landmaschinenbau. Unverändert hohe Nachfrage prägt die Luftfahrtindustrie und den außereuropäischen Eisenbahnsektor. Für die Bau- und Bauzulieferindustrie sind in Europa noch auf Jahre hinaus schon aufgrund der Budgetrestriktionen der öffentlichen Hand nur sehr bescheidene Zuwachsraten zu erwarten, in Südeuropa muss mit einer anhaltend rezessiven Entwicklung gerechnet werden. Zu erwarten ist auch ein weiterer Abwärtstrend bei den Rohstoffpreisen (Eisenerz, Kohle, Koks).

Was den voestalpine-Konzern betrifft, zeichnet sich für das Geschäftsjahr 2013/14 vor dem Hintergrund der anhaltenden globalen Unsicherheit über die weitere wirtschaftliche Entwicklung aus heutiger Sicht ein operatives Ergebnis (EBITDA) bzw. Betriebsergebnis (EBIT) in etwa auf dem Niveau des abgelaufen Geschäftsjahres ab.

Wolfgang Eder Wolfgang Eder, voestalpine-CEO

Der voestalpine-Konzern

Die weltweit tätige voestalpine-Gruppe ist ein stahlbasierter Technologie- und Industriegüter-konzern. Die Unternehmensgruppe ist mit rund 500 Konzerngesellschaften und -standorten in mehr als 50 Ländern auf allen fünf Kontinenten vertreten, sie notiert seit 1995 an der Wiener Börse. Der Konzern ist mit seinen qualitativ höchstwertigen Produkten einer der führenden Partner der europäischen Automobil- und Hausgeräteindustrie sowie weltweit der Öl- und Gasindustrie. Die voestalpine ist darüber hinaus Weltmarktführer in der Weichentechnologie und im Spezialschienenbereich sowie bei Werkzeugstahl und Spezialprofilen. Der Konzern erzielte im Geschäftsjahr 2012/13 bei einem Umsatz von 11,5 Milliarden Euro ein operatives Ergebnis (EBITDA) von 1,45 Mrd. Euro und beschäftigt weltweit rund 46.400 Mitarbeiter.