Zurück zur Übersicht

voestalpine errichtet Direktreduktionsanlage in Texas (USA)

13. März 2013 | 

Die Standortentscheidung für die Direktreduktionsanlage des voestalpine-Konzerns in Nordamerika ist gefallen. Das Werk wird auf dem La Quinta Trade Gateway, San Patricio County, in unmittelbarer Nähe zur Stadt Corpus Christi (Texas, USA) errichtet. Zurzeit werden bei den zuständigen Behörden die Unterlagen zur Umweltverträglichkeitsprüfung eingereicht. Die Verfahrensdauer wird auf etwa 15 Monate geschätzt. Die geplante Anlage ist auf eine Jahreskapazität von zwei Mio. Tonnen HBI (Hot Briquetted Iron) bzw. DRI (Direct Reduced Iron) ausgerichtet. Das Investitionsvolumen beträgt rund 550 Mio. EUR, die Anlage wird im operativen Betrieb rund 150 Mitarbeiter beschäftigen. Der Betriebsbeginn ist für Anfang 2016 geplant.

„Für dieses Projekt, das die bisher größte Auslandsinvestition in der Geschichte unseres Unternehmens darstellt, haben wir insgesamt 17 Standorte in acht Ländern untersucht. Texas war letztlich in allen wesentlichen Kriterien wie Logistik, Energieversorgung, gut ausgebildeten Arbeitskräften und politischem Umfeld am überzeugendsten“, so Wolfgang Eder, Vorstandsvorsitzender der voestalpine AG und Leiter der voestalpine Steel Division. Damit wird den österreichischen Stahlproduktionsstandorten in Linz und Donawitz Zugang zu kosten- und umweltfreundlichem Vormaterial auf HBI bzw. DRI-Basis ermöglicht und so die Konkurrenzfähigkeit langfristig abgesichert. Das Grundstück liegt strategisch günstig an der Bucht von Corpus Christi, umfasst eine Fläche von knapp zwei Quadratkilometern und verfügt über einen direkten Meereszugang. Die formelle Letztentscheidung zur Umsetzung des Projektes ist noch vor dem Sommer geplant, sofern die derzeit laufenden Detailverhandlungen mit den lokalen Behörden bis dahin erfolgreich abgeschlossen sind.

Direktreduktion sichert Standorte in Österreich und schafft Wachstumsoptionen

Die geplante Direktreduktionsanlage wird aus Eisenerzpellets hochqualitatives DRI/HBI („Eisenschwamm“), das mit höchstwertigem Schrott oder Roheisen vergleichbar ist und damit ein hervorragendes Vormaterial zur Rohstahlerzeugung darstellt, produzieren. Im Gegensatz zur koksbasierten reinen Hochofenroute wird bei der geplanten Direktreduktion ausschließlich wesentlich umweltfreundlicheres Erdgas als Reduktionsmittel verwendet. Dessen Preisniveau liegt in den USA bei etwa einem Viertel von jenem in Europa. Das Werk mit 150 Mitarbeitern soll jährlich zwei Millionen Tonnen DRI/HBI erzeugen, wovon die Hälfte per Schiff an die Stahlwerke in Linz und Donawitz geliefert wird. Die andere Hälfte dient als strategische Reserve und wird zunächst an längerfristig interessierte Partner verkauft. „Wir können uns in den USA in einem politisch stabilen, kalkulierbaren Umfeld kostengünstig mit Energie versorgen“, so Eder. „Im Übrigen schaffen wir mit dieser Investition für den voestalpine-Konzern auf längere Sicht auch eine zusätzliche Wachstumsoption in Nordamerika.“

„Massive Bemühungen um Reindustrialisierung in den USA“

„Die professionelle und offene Zusammenarbeit mit allen Beteiligten vor Ort ist beispielhaft“, betont Eder. „Dies spiegelt die Bestrebungen der USA zur raschen und nachhaltigen Reindustrialisierung eindrucksvoll wider. Die Tatsache, dass wir als zukunftsorientiertes Industrieunternehmen mit offenen Armen empfangen werden, war mitentscheidend für die Standortwahl“, so Eder. „Der Bau einer vergleichbaren Anlage könnte in der Europäischen Union schon allein aufgrund mangelnder Konkurrenzfähigkeit in den Betriebskosten nicht realisiert werden.“

Direktreduktion als bedeutender Schritt in Richtung 'Low-Carbon Economy'

Der Einsatz von Erdgas anstatt Koks im Reduktionsprozess trägt wesentlich zur Verbesserung der CO2-Bilanz bei und ist ein wichtiger Schritt zur Erreichung der sehr anspruchsvollen internen Energie- und Klimaziele. In Vorbereitung der geplanten Anlage reicht voestalpine aktuell die Unterlagen zur Umweltverträglichkeitsprüfung ein. „Wir stehen von Beginn an in engem Austausch mit den Behörden um sicherzustellen, dass den strengen US-Umweltauflagen genau entsprochen wird“, betont Eder. „Wir werden auch in den USA in überdurchschnittlich hohe Umwelt- und Sicherheitsstandards investieren, und wenden durchwegs Verfahren am allerletzten Stand der Technik zur Vermeidung von Schadstoff-, Lärm- und Staubemissionen an. Das beinhaltet auch den sorgsamen Umgang mit Wasser, das in Texas ein knappes Gut ist“, so Eder. In den USA bestehen ähnlich strenge Umweltauflagen wie in Europa, einzig bei CO2 „geht Texas einen anderen Weg“.

voestalpine in den USA: 2.000 Mitarbeiter und 850 Mio. EUR Umsatz

Im Geschäftsjahr 2011/12 erwirtschaftete der voestalpine-Konzern bereits 8 % seines Gesamtumsatzes von 12,1 Mrd. EUR an seinen 25 Standorten in Nordamerika, dies entspricht knapp 1 Mrd. EUR. Alleine in den USA wurde mit 2.000 Mitarbeitern ein Umsatz von annähernd 850 Mio. EUR erwirtschaftet. Die größte Einzelgesellschaft ist voestalpine Nortrak, die mit rund 940 Mitarbeitern sowie sieben Produktions- und Vertriebsstandorten im Segment Weichentechnik Markt- und Technologieführer in Nordamerika ist. Stark vertreten ist der Konzern zudem in den Bereichen Automotive, Edelstahl, Energie und Luftfahrt. Aktuell errichtet die Metal Forming Division mit einem Investitionsaufwand von rund 50 Mio. EUR ein Werk für höchstfeste Karosserieteile in Cartersville/Georgia. Als Teil einer umfassenden Globalisierungsstrategie wird der voestalpine-Konzern seine bereits starke lokale Präsenz im Wachstumsmarkt USA künftig forciert weiter ausbauen. Im Übrigen stehen rund 10 % der voestalpine-Aktien im Eigentum nordamerikanischer Investoren.

Der voestalpine-Konzern

Die voestalpine-Gruppe ist ein weltweit tätiger Stahl-, Verarbeitungs- und Technologiekonzern, der hochwertige Stahlprodukte fertigt, verarbeitet und weiterentwickelt. Die Unternehmensgruppe ist mit 360 Produktions- und Vertriebsgesellschaften in mehr als 60 Ländern auf fünf Kontinenten vertreten, sie notiert seit 1995 an der Wiener Börse. Der Konzern ist mit seinen qualitativ höchstwertigen Flachstahlprodukten einer der führenden Partner der europäischen Automobil- und Hausgeräteindustrie sowie der Öl- und Gasindustrie weltweit. Die voestalpine-Gruppe ist darüber hinaus Weltmarktführer in der Weichentechnologie, bei Werkzeugstahl und Spezialprofilen. Der Konzern erzielte im Geschäftsjahr 2011/12 bei einem Umsatz von mehr als zwölf Milliarden Euro ein operatives Ergebnis (EBIT) von 704 Millionen Euro und beschäftigt weltweit rund 46.500 Mitarbeiter.