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voestalpine AG plant Begebung einer Hybridanleihe zur Refinanzierung der Böhler-Uddeholm-Übernahme

10. Oktober 2007 | 

Die voestalpine AG plant die Begebung einer Hybridanleihe zur Refinanzierung der Böhler-Uddeholm-Übernahme. Im Vorfeld einer Roadshow bei internationalen Investoren haben der Vorstandsvorsitzende der voestalpine AG, Wolfgang Eder, und Finanzvorstand Robert Ottel die Hintergründe der geplanten Anleihe heute, Mittwoch, in einem Pressegespräch erläutert.

Wachstumskurs durch umfangreiche Akquisitionen und Investitionen

  • Zur Aufrechterhaltung des finanziellen Spielraums für weiteren Wachstumskurs.
  • Wesentliche Vorteile: Attraktive Rendite für Anleger und Eigenkapitalerhöhung für das Unternehmen.
  • Angestrebtes Emissionsvolumen mindestens 500 Mio. EUR.

Der voestalpine-Konzern hat in den vergangenen Jahren einen beeindruckenden Wachstumskurs verfolgt.

Neben einer Reihe von internationalen Akquisitionen in den Verarbeitungsdivisionen Bahnsysteme, Profilform und Automotive wurden umfangreiche Investitionsprogramme realisiert. Im laufenden Jahrzehnt wurden bzw. werden insbesondere an den österreichischen Standorten Linz, Donawitz und Krems Technologie- und Umweltinvestitionen im Umfang von rund 4 Mrd. EUR umgesetzt und gleichzeitig der Ausbau und die Modernisierung der Produktionsanlagen an einer Reihe internationaler Konzernstandorte forciert.

Dieses Wachstum wurde bislang hauptsächlich über die hohe Verschuldungsfähigkeit bzw. über den Cashflow abgedeckt. Die gute Finanzgebarung und der erfolgreiche Geschäftsverlauf führten sogar dazu, dass bei einem Anstieg des Eigenkapitals um 61 % und gleichzeitigem Rückgang der Nettofinanzverschuldung um 37 % die Gearing Ratio in den vergangenen fünf Geschäftsjahren deutlich zurückging; sie lag Ende 2006/07 bei lediglich 18 %.

Im ersten Quartal des laufenden Geschäftsjahres 2007/08 ergab sich hingegen aufgrund der Finanzierung der ersten Tranche der Böhler-Uddeholm-Anteile ein deutlicher Anstieg des Gearings auf 86 %. Es lag damit über jener Obergrenze des Verschuldungsspielraums, die sich der voestalpine-Konzern selbst zur Finanzierung seines Wachstumskurses gesetzt hat.

Um den finanziellen Spielraum für die weitere künftige Expansion aufrecht zu erhalten, plant die voestalpine-Gruppe daher die Begebung einer Hybridanleihe.

Akquisition Böhler-Uddeholm AG - aktueller Finanzierungsstatus

  • Zum Ablauf der Angebotsfrist am 6. September 2007 wurden 79,2 % der Aktien an der Böhler-Uddeholm AG erworben.
  • Der Anteilspreis für 100 % der Aktien an der Böhler-Uddeholm AG beträgt 3,7 Mrd. EUR.
  • Die Mittel dafür werden bis zu dieser Höhe zunächst mittels einer im Dezember 2008 fälligen Bridgefinanzierung (Bankkredite) aufgebracht.
  • Anschließend ist dazu eine Refinanzierung im Wege einer Hybridanleihe, einer Unternehmensanleihe und eines syndizierten Langfristkredits geplant.

Details zur Hybridanleihe

Eine Hybridanleihe ist eine Schuldverschreibung mit Eigenkapitalcharakter (kann jedoch im Unterschied zu einer Wandelanleihe nicht in Aktien gewandelt werden), das bedeutet, sie kann dem Eigenkapital zugerechnet werden.

Das ist möglich, weil die Anleihen theoretisch eine unbeschränkte Laufzeit haben und ihre Verzinsung gewissermaßen von der Dividendenzahlung der voestalpine AG abhängt.

Das bedeutet, dass in jenen Jahren, in denen Dividendenzahlungen geleistet werden, der Kupon in jedem Fall bedient werden muss. Im unwahrscheinlichen Fall, dass die die voestalpine AG nicht in der Lage sein sollte, eine Dividende auszuschütten, kann der Kupon dennoch bezahlt werden. Etwaige ausfallende Kuponzahlungen müssen jedoch zum ehestmöglichen nachgeholt werden.
(Der Fall, dass die voestalpine AG keine Dividenden leistet, ist allerdings seit dem Börsengang 1995 noch in keinem Jahr eingetreten; im Gegenteil hat sich die voestalpine AG gegenüber ihren Aktionären zu einer jährlichen Dividendenrendite von durchschnittlich mindestens 4 % bekannt und dieses Ziel seit dem IPO bislang auch erreicht.)

Die Hybridanleihe der voestalpine AG hat eine unbefristete Laufzeit und ist nachrangig. Sie steht somit im Rang vor Aktien, jedoch hinter Fremdkapital. Hybridanleihen werden in der Regel nach zehn Jahren getilgt, jene der voestalpine AG kann seitens des Emittenten erstmals nach sieben Jahren gekündigt werden. (Zu einem früheren Zeitpunkt kann dies nur bei Eintritt eines in den Anleihebedingungen festgelegten außerordentlichen Ereignisses und Zahlung eines entsprechenden Rückzahlungsbetrages erfolgen.)

Der für die ersten sieben Jahre fixe Kupon liegt deutlich über der Verzinsung anderer Unternehmensanleihen. Sollte die Anleihe nach sieben Jahren nicht gekündigt werden, erhalten die Anleiheinhaber ab diesem Zeitpunkt einen variablen Zinssatz (3-Monats-EURIBOR plus Aufschlag).

Mit hoher Rendite am Erfolg der voestalpne partizipieren

Somit bietet die Hybridanleihe sowohl für die voestalpine AG als Emittentin als auch für die Anleger jeweils einen wesentlichen Vorteil gegenüber vergleichbaren Finanzierungsvarianten:

  • Für das Unternehmen wirkt sie eigenkapitalerhöhend und reduziert somit die Nettofinanzverschuldung in Prozent des Eigenkapitals (Gearing Ratio). Damit stellt die Hybridanleihe den Finanzierungsspielraum für den weiteren langfristigen Wachstumskurs sicher.
  • Für Investoren bringt die Hybridanleihe insbesondere eine attraktive Rendite; die Verzinsung liegt deutlich über jener anderer Unternehmensanleihen.
  • Für Aktionäre liegt der Vorteil gegenüber einer Kapitalerhöhung in höheren Earnings per Share (EPS), und es kommt auch zu keiner Verwässerung.

Die genauen Konditionen der Hybridanleihe werden erst nach der Roadshow bei internationalen Investoren in den kommenden Tagen beziehungsweise im Rahmen des darauf folgenden Bookbuildingverfahrens feststehen.

Die Emission sollte jedenfalls ein internationales Benchmarkvolumen (das heißt mindestens 500 Mio. EUR) erreichen.