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Diva, Darling, Dynamite - Ute Lemper begeisterte beim voestival 07

25. Juni 2007 | 

Seit nunmehr 10 Jahren versucht das voestival, seinem Anspruch wider die kulturelle Anspruchslosigkeit gerecht zu werden. Die Latte liegt nach Stars wie Sir Peter Ustinov, Karl Jenkins oder Elaine Paige hoch - und wurde heuer dank Ute Lemper und Bruckner Orchester Linz dennoch übertroffen.

In der beinahe unerträglichen Beliebigkeit und Belanglosigkeit der zeitgenössischen Event-, Casting- und Spaßkultur bietet die voestalpine seit nunmehr 10 Jahren im Rahmen des jährlichen voestival im einzigartigen Ambiente einer klassichen Industriehalle das Außer- und Ungewöhnliche - darunter zahlreiche Österreich- und sogar Weltpremieren. Diesem Anspruch wider die Anspruchslosigkeit wurde das Programm auch diesmal gerecht. Ein schlicht beeindruckender Abend mit Ute Lemper, in dem die Österreichpremiere eines Originalensembles des Pariser Moulin Rouge beinah zur Nebensache geriet, begeisterte rund 4.000 Besucher in der Grobblechhalle der voestalpine in Linz.

"Three Cities - One Night - One Women" - unter diesem Motto bot das voestival 07 eine musikalische Zeitreise, in der die deutsche Musical- und Chansonsängerin Ute Lemper die Besucher durch Berlin, Paris und New York, durch ein musikalisches Repertoire von Weill und Gershwin bis Bernstein und Morrison, durch Intepreten wie die Dietrich, Liza Minelli und Edith Piaf führte - und gleichsam dabei als Erzählerin durch ihre wichtigsten persöhnlichen Stationen, die mit diesen Künstlern verbunden sind.

Dem "singenden Theatermenschen" gehörte die Bühne

Von "Klassikern" wie "Carbaret", "Milord", "La Vie en Rose", "Padam - Padam" bis zur gänsehautbereitenden Intepretation von "Nanna's Lied", am Klavier begleitet von Dennis Russell Davies, Van Morrisons "Moondance" und zur "feschen Lola" - Ute Lemper zog alle nur denkbaren Register; von der Diva über den betörenden Darling, der nicht nur die Kravatten so mancher in die Show einbezogenen Gäste fest im Griff hatte, vom verletzlichen Spatz von Paris bis zum explosiven Stimmwunder begeisterte der Stargast dieses Abends nicht nur mit ihrer gesanglichen Leistung, sondern auch mit einer Performance und Bühenpräsenz, die dieses voestival zu den wohl beeindruckendsten der bisher zehn Aufführungen machten.

Ute Lemper - Eigendefinition: "Ich bin ein singender Theatermensch" - trug alleine auf der Bühne stehend den ganzen Abend. Trotzdem - oder gerade weil - sich ihre musikalischen und tänzerischen Partner so perfekt, aber dezent in das Programm integrierten, dass sie das Publikum in jenen Momenten mitrissen, wo Lemper nicht auf der Bühne stand, und sie nahtlos zu ihren nächsten Stationen trugen, sobald die Bühne in der Grobblechhalle wieder ihr gehörte. Es gehört zu einem gelungenen Abend wahrscheinlich dazu, wenn ein Orchester dem Stargast nicht die Show stiehlt, sondern man ihm die Freude anmerkt, ihn dabei musikalisch zu unterstützen.

Denn die Vielfalt der Lieder und deren Interpretationen durch Ute Lemper verlangte dem Bruckner Orchester Linz ebensolche Vielfalt, Wandlungsfähigkeit und Reiselust quer durch die Musikgeschichte des 20. Jahrhunderts ab. Umso bemerkenswerter, dass das Bruckner Orchester unter Leitung seines Chefdirigenten Dennis Russell Davies, an sich eher in klassichen Gefielden beheimatet, Ute Lemper begleitete, als hätten die Musiker ihr bisheriges Leben in Varietés und Cabarets oder im Berlin der 1930er, in New York oder Paris verbracht, und als gehörten rockige Klänge ebenso zum Standardrepertoire wie Barmusik und Chansons. Mit der Perfektion eines der besten Orchester Europas zeigten die Musiker zugleich, wieviel Tiefgang in den Kompositionen steckt, und trugen mit ihrer Rafinesse und scheinbaren Leichtigkeit dazu bei, dass die Stimme, Performance und Wirkung von Ute Lemper so scheinbar mühelos zur Geltung kamen.

In das gelungene Gesamtbild des Abends tanzte sich eine eigens für das voestival zusammengestellte Ballett-Company zusammengestellt, die unter der Choreografie von Renato Zanella einzelne Szenen der Zeitreise auch tänzerisch umsetze. So war das „voestival Ballett“ – ein internationales Ensemble mit den Solisten Olga Esina und Vladimir Shishov - beispielsweise für ein atemberaubend schönes "Duett" mit Ute Lemper bei "Padam - Padam".

Moulin-Rouge-Ensemble als Österreichpremiere

Zum ersten Mal in Österreich traten beim voestival auch Tänzerinnen des Pariser Moulin Rouge auf, die überhaupt nur sehr selten Gastspiele außerhalb Frankreichs geben. Auch sie enttäuschten die Erwartungen des Publikums, zumindest jene des männlichen Teils, nicht. In fantastischen Kostümen zeigten sie unter anderem auch den legendären „French Can-Can“, dem das berühmteste Cabaret und Varieté der Welt seinen Ruhm verdankt.

"Spaß mit den Kindern"

Zum bereits fünften Mal fand am darauffolgenden Tag das Kindervoestival statt. Dabei wird das Programm des Vorabends mit der identen künstlerischen Besetzung (die Damen des Moulin Rouge ausgenommen) eigens für ebenfalls rund 4.000 Kinder und Jugendliche aufgeführt.

Die Besucherinnen und Besucher genossen das Programm sichtlich ebenso wie Ute Lemper ("Gestern war es sehr seriös, heute war es Spaß mit den Kindern").