2008-2018

Die weitere Entwicklung der voestalpine AG zu einem global agierenden Technologie- und Industriegüterkonzern in Zeiten wirtschaftlicher Herausforderungen

Direktreduktionsanlage in Texas

Im Herbst 2008 erreicht der Konjunktureinbruch infolge der weltweiten Banken- und Finanzkrise auch die voestalpine. Gegen die sich weiter verschlechternde Situation setzt das schnell und breitflächig umgesetzte Krisenmanagement des Konzerns auf konzernweite Kostenoptimierungs- und Effizienzsteigerungsprogramme. Das von der großen Wirtschaftskrise geprägte Geschäftsjahr 2009/10 wird das härteste und schwierigste seit Beginn der Privatisierung im Jahr 1995. Aber schon in den ersten neun Monaten des Geschäftsjahres 2010/11 können gegenüber dem Vorjahr bereits wieder sehr deutliche Umsatz- und Ergebniszuwächse erzielt werden.

2008 baut die voestalpine-Gruppe ihre führende Position am wachstumsträchtigen Bahnmarkt mit Weichenaufträgen für Hochgeschwindigkeitsstrecken in Europa und Asien weiter aus und ist nun auch in Asien Nummer eins bei Hochgeschwindigkeitsweichen. In Frankreich wird 2009 eine Produktion von Weichenkomponenten in Betrieb genommen. In Asien erhält die voestalpine über ein chinesisches Joint Venture von der chinesischen Eisenbahnbehörde den Zuschlag für die Lieferung von Hochgeschwindigkeitsweichen für das zu diesem Zeitpunkt bedeutendste Eisenbahnprojekt in China, die Strecke Peking – Shanghai. Im selben Jahr baut der Konzern seine Position auch in den USA weiter aus.

Die voestalpine unterstützt 2009 die oberösterreichische Landeshauptstadt Linz als Kulturhauptstadt Europas  (Projekt „Linz 09“). Im Herbst desselben Jahres wird die voestalpine Stahlwelt feierlich eröffnet.

Trotz der Weltwirtschaftskrise, die das Geschäftsjahr 2009/10 prägt, setzt die voestalpine Stahl GmbH 2010 das 700 Millionen Euro schwere Großinvestitionsprogramm „L6“ weiter um („L“ steht für den Standort Linz und „6“ für die Erhöhung der Rohstahlkapazität von rund 5,4 auf über 6 Millionen Tonnen pro Jahr). Im Rahmen dieses Projektes werden u. a. 2011 die umfassend modernisierte und kapazitativ erweiterte Breitbandstraße voll in Betrieb genommen sowie ein Tiegelgasgasometer und eine neue DeNOx-Anlage (Entstickungsanlage) bei der Sinteranlage, die so zur umweltfreundlichsten Europas wird, errichtet. Die Böhler Welding Group eröffnet in Indonesien das erweiterte Werk für Schweißzusatzstoffe.

2012 wird zur weiteren Effizienzsteigerung eine neue Konzernstruktur beschlossen - die Divisionen Automotive und Profilform werden zusammengeführt (Metal Forming). Durch eine Divisions-Umbenennung und die Entscheidung nur mehr englische Begriffe für die Divisionen zu verwenden, ergeben sich aus den fünf Divisionen nunmehr folgende vier: Steel Division (vorher Division Stahl), Special Steel Division (vorher Division Edelstahl und in weiterer Folge High Performance Metals Division), Metal Engineering Division (vorher Division Bahnsysteme) und Metal Forming Division.

Nach der Konsolidierungsphase infolge "der Krise" wird die Investitionstätigkeit im Geschäftsjahr 2012/13 stark ausgeweitet. Der Konzern startet seine bislang größte Auslandsinvestition mit dem Bau einer Direktreduktionsanlage in Texas. Der Spatenstich erfolgt im April 2014.

Die globale Automotive-Präsenz wird ab 2012 mit einer Vielzahl von neuen Werken in China, den USA, Südafrika, Rumänien und Deutschland als Teil einer umfassenden Globalisierungsstrategie der Metal Forming Division massiv verstärkt.

2012 wird im Rahmen des Internationalen Automobil-Salons in Genf eine revolutionäre Weiterentwicklung der patentierten Produktinnovation phs-ultraform®, ein von der voestalpine entwickelter feuerverzinkter, höchstfester Stahl für Karosserieteile der in einem einzigen Prozessschritt final umgeformt werden kann, präsentiert. Mit der Eröffnung der weltweit ersten „phs-directform“-Anlage in Schwäbisch Gmünd, Deutschland, gelingt 2016 ein Technologiesprung im automobilen Leichtbau. Im selben Jahr wird Linz durch entsprechende Investitionen der Metal Forming Division zum weltgrößten Automotive-Platinenstandort.

Am 14. September 2016 eröffnet  am Standort Düsseldorf ein neues Forschungs- und Entwicklungszentrum für den 3D-Druck von Metallteilen. Das „voestalpine Additive Manufacturing Center“ soll das Verfahren für die Herstellung besonders komplexer und leichter Metallbauteile nutzbar machen. Der für den Prozess notwendige Werkstoff – ein speziell hergestelltes Metallpulver – wird künftig von der Böhler Edelstahl GmbH & Co KG, Österreich und Uddeholms AB, Schweden, zwei Gesellschaften der High Performance Metals Division, geliefert.

Die Direktreduktionsanlage in Corpus Christi wird am 26. Oktober 2016 feierlich eröffnet. Die weltweit größte und modernste Anlage ihrer Art ist die größte je getätigte US-Investition eines österreichischen Unternehmens und wird künftig pro Jahr zwei Millionen Tonnen hochqualitatives HBI (Hot Briquetted Iron – Eisenschwamm) als anspruchsvolles Vormaterial für die Stahlproduktion herstellen. Die Anlage gilt als Umweltbenchmark und stellt einen wichtigen Schritt am Weg der voestalpine zu einer CO2-reduzierten Stahlproduktion dar.

Im Juli 2017 erhält die voestalpine AG ein neues Corporate Design, das die Zukunftsorientierung und den Wandel der voestalpine vom Stahl- zum Technologie- und Industriegüterkonzern zum Ausdruck bringen soll.

Die Mitarbeiter halten 2017 rund 14,5 % der Anteile an der voestalpine AG. Die voestalpine Mitarbeiterbeteiligung ist ein weltweit einzigartiges Modell, das die Stimmrechte von  rund 24.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus 84 Gesellschaften der voestalpine bündelt (Stand 2017).

Die voestalpine bekräftigt das Zukunftsbekenntnis zu wichtigen Produktionsanlagen in Österreich. So wird am Standort der Metal Engineering Division in Donawitz im September 2017 das weltweit modernste, voll digitalisierte Drahtwalzwerk eröffnet. Wenige Wochen später steht fest, dass am Standort Kapfenberg das in Teilen über 100 Jahre alte Edelstahlwerk durch ein neues, das erste in Europa seit 40 Jahren, ersetzt wird, mit bis zu 300 Millionen Euro die größte Einzelinvestition der High Performance Metals Division.

Nach positivem UVP-Bescheid der oberösterreichischen Landesregierung errichtet voestalpine in einem Konsortium ab 2018 am Standort Linz  eine Pilotanlage zur Herstellung von Wasserstoff. Die weltweit größte Anlage ihrer Art wird künftig Aufschluss über die  Einsatzmöglichkeiten von Wasserstoff in den einzelnen Prozessstufen der Stahlherstellung geben.

Im  Geschäftsjahr 2017/18 verzeichnet die voestalpine den höchsten Umsatz und das beste Ergebnis seit Beginn ihrer Privatisierung 1995.