1986-1993

Die VOEST-ALPINE AG bis zur Auflösung der Austrian Industries

Bandbeschichtungsanlage - COLOFER

Infolge der Ereignisse des Jahres 1985 wird die Unternehmensleitung im Frühjahr 1986 zur Gänze neu bestellt. In diesem Jahr und in den darauffolgenden Jahren wird der Mitarbeiterstand stark verringert. Um die entlassenen Mitarbeiter zu unterstützen, wird 1987 die „Stahlstiftung“ gegründet. Diese soziale Innovation hat die Um- bzw. Höherqualifizierung der Mitarbeiter zur Wiedereingliederung in den Arbeitsprozess zum Ziel. Bis 1991 kann 700 Mitarbeitern der Umstieg in neue Tätigkeiten bzw. eine Höherqualifizierung ermöglicht werden.

Im Vordergrund der Unternehmensplanung stehen nun: Konsolidierung, Rationalisierung und zum Teil auch Sanierung. Nach einer eingehenden Analyse sämtlicher Geschäftsfelder wird im Herbst 1986 das sogenannte VOEST-ALPINE-neu-Konzept verabschiedet. Es wird eine neue Organisationsstruktur erarbeitet, ein Rationalisierungsprogramm beschlossen und ein Investitionsprogramm verabschiedet. Die dafür notwendigen Mittel werden durch die ÖIAG zugeführt. Ziel dieser Maßnahmen ist es, die VOEST-ALPINE wieder in die Gewinnzone zu bringen.

1986 wird mit dem ÖIAG-Gesetz die Österreichische Industrieholding AG (ÖIAG) geschaffen. Die grundlegende Umstrukturierung des ÖIAG-Konzerns führt 1988 zur Bildung von sechs Branchenholdings und damit wird auch der Stahl-Bereich der verstaatlichten Industrie in Österreich völlig neu strukturiert. Diese sechs Branchenholdings der ÖIAG werden 1989 in die Industrie- und Beteiligungsverwaltungs-GesmbH (IBVG), eine hundertprozentige Tochter der ÖIAG, eingebracht, welche 1990 in die Austrian Industries AG umgewandelt wird und den ersten Schritt in Richtung Börse durch eine Going-public-Anleihe unternimmt.

1988 schafft die im Rahmen der Neustrukturierung entstandene VOEST-ALPINE STAHL AG in den meisten Bereichen den Turnaround. Sie umfasst sechs Leitgesellschaften: die VOEST-ALPINE Stahl Linz GmbH, die VOEST-ALPINE Stahl Donawitz GmbH, die Böhler GmbH Kapfenberg, die Böhler AG Düsseldorf, die VOEST-ALPINE Stahlhandel AG und die VOEST-ALPINE Rohstoffhandel GmbH. Im Zuge weiterer Strukturbereinigungen und Konzentrationen kristallisiert sich 1989 eine vierteilige Konzernstruktur heraus: Flachprodukte, Langprodukte, Edelstahl und Handel.

Die Schwerpunkte der weiteren Arbeit liegen in der Forcierung von Hightechprodukten mit noch weiter fortschreitendem Veredelungsgrad und in der verstärkten Ausweitung der Internationalisierung nach West und Ost. Ein längerfristiges Ziel ist es aber auch, ökologisch überlegene und zugleich wirtschaftliche Prozesstechniken zum Einsatz zu bringen.

So wird u. a. 1987 im Hinblick auf den Umweltschutz ein ökologisch motiviertes Investitionsprogramm verabschiedet. Ab 1988 sind die Emissionsdaten am Standort Linz erstmals öffentlich zugänglich.

Weiters wird 1989 in Linz die Bandbeschichtungsanlage – COLOFER®colofer® – und im Edelstahlbereich in Kapfenberg die Horizontalstranggießanlage in Betrieb genommen; die VOEST-ALPINE SCHIENEN GmbH & CO KG setzt seit 1990 mit der Erzeugung ultralanger und spezialkopfgehärteter Schienen in einer Länge von bis zu 120 Metern Maßstäbe in der modernen Schienenerzeugung. Der Weichenhersteller VAE AG wird 1989 aus dem VOEST-ALPINE-Konzern ausgegliedert und in den darauffolgenden Jahren als eines der ersten Unternehmen der verstaatlichten Industrie privatisiert.

1991 baut die VOEST-ALPINE Krems GmbH das Profilwerk durch eine neue Sonderrohranlage aus und übernimmt das belgische Kaltprofilwerk SADEF N.V. Mit dieser Akquisition wird ein erster wichtiger Schritt in Richtung Internationalisierung gesetzt.

In Kapfenberg werden die Abschlussarbeiten an einem Mehrlinienwalzwerk durchgeführt. Außerdem wird 1992 in Linz das modernste Blechprüfzentrum Europas eröffnet.

Die VOEST-ALPINE STAHL AG kann 1990 ihre strategische Position durch die Akquisition der schwedischen Uddeholm-Gruppe, die im darauffolgenden Jahr mit den Unternehmen der Böhler-Gruppe zu Böhler-Uddeholm verschmolzen wird, und den Beschluss zur Neuordnung des Langstahlbereiches deutlich verbessern.

Es gilt, die der VOEST-ALPINE STAHL AG zugeordneten Gesellschaften zu restrukturieren, zu rationalisieren und zum Teil strategisch neu auszurichten. 1992 wird die Ende 1991 eingeführte neue Organisationsstruktur – dezentrale Kosten- und Ergebnisverantwortung sowie Geschäftsfeldorganisation – umgesetzt.

Ende 1993 werden im Zuge des Privatisierungsgesetzes aus der Austrian Industries AG drei Konzerne geschaffen: die VA Technologie AG, die Böhler-Uddeholm AG und die VOEST-ALPINE STAHL AG.