1963-1973

Die VÖEST bis zur Fusion mit der Österreichisch-Alpine Montangesellschaft

Brammenstranggussanlage

In den 1960er Jahren wird die VÖEST zu einem für österreichische Verhältnisse riesigen und vielseitigen Mischkonzern.

Aufgrund des 1. Verstaatlichungs-Organisationsgesetzes von 1963 beginnt die Rekonzernierung der VÖEST. Mit dieser Maßnahme versucht man, wirtschaftlichen Konjunkturschwankungen entgegenzuwirken, die sehr zerstreuten Besitzstrukturen in der verstaatlichten Industrie zu konzentrieren und eine effizientere Verwaltung und Koordination zu schaffen. Daher werden 1963 mehrere Betriebe, die schon bisher in enger Verbindung mit der VÖEST standen, im Zuge der Konzernierung eingegliedert (Hütte Krems, Wiener Brückenbau als Tochtergesellschaften; Werk Liezen mit Maschinenbau und Gießerei als Betriebsabteilung). Es wird die Neugestaltung des Produktionsprogramms der Hütte Krems beschlossen.

Ein Sonderinvestitionsprogramm für 1965-1968 zur Modernisierung der Weiterverarbeitungsbetriebe, der Automation der Walzwerke und der Entlastung einiger zeitweise überbeanspruchten Betriebsanlagen führte u. a. zum Bau einer 10.000-m³-Sauerstoffanlage, der ersten Brammenstranggussanlage im LD-Stahlwerk 2, die 1968 in Betrieb ging. Außerdem wurde das LD- Stahlwerk 2 um eine sechste Tiegelanlage erweitert, welche nicht nur der Kapazitätserweiterung dient, sondern auch eine mit modernster Technik ausgestattete Referenzanlage für den Industrieanlagenbau der VÖEST ist.

Um eine langfristige Unternehmensplanung zu ermöglichen, beschließt der Vorstand am 17. Februar 1969, Planungsarbeitsgruppen mit der Erarbeitung von Zielsetzungen des Unternehmens und seiner Bereiche und einer langfristigen Maßnahmenplanung zu beauftragen. Dieser Beschluss entspricht dem Wunsch der Unternehmensleitung, das Konzept langfristiger Planung im Unternehmen zu verankern. Die im Dezember 1969 vom Vorstand beschlossenen und vom Aufsichtsrat zustimmend zur Kenntnis genommenen "Zielsetzungen und Maßnahmen der VÖEST für die Mitte der siebziger Jahre" stellen den ersten Schritt zu einer solchen Generalplanung dar.

Zwischen 1970 und 1973 werden in Linz u. a. ein Sendzimir-Vielwalzen-Kaltwalzgerüst (in Lizenz vom Maschinenbau gebaut), welche die Produktion dünnster Bleche ermöglicht, das LD-Stahlwerk III, die Bandverzinkungsanlage im Kaltwalzwerk II in Betrieb genommen und die neue Lehrwerkstätte eröffnet. Mit dem Sendzimir-Vielwalzen-Kaltwalzgerüst verfügt die VÖEST über drei Kaltwalzgerüste mit einer Jahreskapazität von insgesamt 650.000 Tonnen Stahlblech.

Am 20. Juni 1972 beschließt die Österreichische Industrieverwaltungs-Aktiengesellschaft (ÖIAG), welche die Beteiligungen der Republik Österreich verwaltet, die Fusion der VÖEST, Linz mit den Betrieben der Österreichisch-Alpine Montangesellschaft, Wien. Damit soll die Effizienz der beiden Unternehmen verbessert werden. Die Fusion, die von großen Widerständen begleitet wird, erfolgt rückwirkend mit 1. Jänner 1973 auf der Grundlage des entsprechenden Bundesgesetzes vom 15. Februar 1973.
Die VÖEST befürchtet Einbußen durch die deutlich schlechtere Wirtschaftslage der Alpine AG, diese wiederum fürchtet eine Übermacht der VÖEST. In Linz entstehen aus dem hier erzeugten Stahl hochwertige Flachprodukte, Bleche aller Güteklassen und Abmessungen, in Donawitz werden Halbzeug wie Knüppel, Brammen und Platinen sowie Fertigwalzwaren wie Stab- und Formstahl, Walzdraht, Warmband und Schienen produziert.

Mit dem gleichen Bundesgesetz werden die Anteilsrechte der ÖIAG an der Gebrüder Böhler & Co. AG, Wien und der Schoeller-Bleckmann Stahlwerke AG, Wien mit Wirksamkeit vom 1. Jänner 1973 als Sacheinlage in das Eigentum der neuen VÖEST-ALPINE AG übertragen.

Der Konzern umfasst jetzt insgesamt 103 Gesellschaften, an denen die Muttergesellschaft VÖEST-ALPINE AG direkt oder über ihre Tochtergesellschaften Mehrheitsanteile besitzt. Dazu kommen noch qualifizierte Minderheitsbeteiligungen an 14 Gesellschaften.