1945-1955

Die VÖEST bis zum Staatsvertrag

LD-Stahlwerk I

Am 5. Mai 1945 erreichen US-Einheiten Linz. Die Linzer Werke werden als „deutsches Eigentum“ beschlagnahmt und durch zwei Befehle der US-Militärregierung vom 18. Juli bzw. 1. Oktober 1945 in Vereinigte Österreichische Eisen- und Stahlwerke AG (VÖEST) umbenannt. Außerdem werden sie von der Alpine Montan AG getrennt. Mit der Leitung der Werke werden öffentliche Verwalter betraut.

Gleich nach Kriegsende wird damit begonnen, die Schäden nach und nach zu beseitigen und einzelne Anlagen provisorisch wieder in Betrieb zu nehmen, obwohl das Schicksal der Werke in Linz schwer abschätzbar ist. Es gibt heftige Auseinandersetzungen um das Weiterbestehen der Werke. Auch ein Abriss wird diskutiert. Der Weiterführung der Werke gehen langwierige Verhandlungen und Interventionen voraus.

Die Entscheidung, die Werke in Linz fortzuführen, hat auch zur Folge, dass sich die regionale Wirtschaftsstruktur wesentlich verändert. Der eigentliche Wiederaufbau und Ausbau der Werke in vollem Umfang beginnt aber erst nach der Übergabe der VÖEST durch den kommandierenden US-General Mark W. Clark zur treuhändigen Verwaltung an die Republik Österreich am 16. Juli 1946. Die VÖEST wird am 26. Juli 1946 verstaatlicht. Grundlage dafür ist das erste Verstaatlichungsgesetz. 1947 wird der erste Hochofen nach Ende des Krieges wieder angeblasen.

Der Eisen- und Stahlplan von 1948, der vom Ministerium für Vermögenssicherung und Wirtschaftsplanung und vom Ministerium für Handel und Wiederaufbau erstellt wurde, soll das Wachstum der Eisen- und Stahlindustrie koordinieren und dient als Grundlage für die Vergabe von Mitteln aus dem European Recovery Program (ERP), besser bekannt als Marshallplan. In Linz wird die Kommerzblecherzeugung konzentriert.

Im selben Jahr beginnt ein Expansionskurs mit Fremdkapital, das vom US-Marshallplan, der dem Wiederaufbau Westeuropas dient, bereitgestellt wird. Damals erwägen die USA eine Reprivatisierung der VÖEST unter finanzieller Beteiligung der alliierten Staaten. Am 8. April 1949 erklären die drei Westmächte, nach Abschluss eines Staatsvertrages mit Österreich auf das „deutsche Eigentum“ verzichten zu wollen.

In der frühen Geschichte der VÖEST hat nichts das Image mehr geprägt und den Werdegang des Unternehmens mehr bestimmt als die Entwicklung des LD-Verfahrens (Linz-Donawitz-Sauerstoffaufblasverfahren). Mit dieser Innovation wurde die Grundlage für eine international konkurrenzfähige österreichische Eisen- und Stahlindustrie geschaffen. Nach langen Vorarbeiten im In- und Ausland gelingt Wissenschaftlern in Linz der Durchbruch. Die erfolgreichen Versuchsreihen führen im Dezember 1949 zum Beschluss, das erste LD-Stahlwerk der Welt in Linz zu errichten.

Der (Wieder-)Aufbau der Linzer Werke schreitet rasch voran, so wird u. a. 1951 die Brammenstraße in Betrieb genommen, Anfang Jänner 1953 offiziell das erste LD-Stahlwerk der Welt und die Breitbandstraße mit einer fünfgerüstigen Walzstrecke, die eine der bedeutendsten Großinvestitionen der Nachkriegszeit ist, im Oktober 1953 folgt das Kaltwalzwerk. In diesem und dem darauffolgenden Jahr kommen die Investitionen der ersten Ausbaustufe im Wesentlichen zum Abschluss.


1954 kommt die Hütte Liezen durch einen Betriebsüberlassungsvertrag zur VÖEST. Nach dem Abschluss des Staatsvertrags 1955 übernimmt die VÖEST die Geschäftsführung der Hütte Krems, die bisher unter sowjetischer Verwaltung stand und der österreichischen Verfügung entzogen war.

Um in Zeiten des Wiederaufbaus ausreichend Wohnraum für die (neuen) Mitarbeiter zur Verfügung zu stellen, initiiert die VÖEST 1953 eine Wohnungs- und Siedlungsaktion und lässt auch an den neuen Standorten Krems und Liezen Wohnungen bauen. Das soziale Engagement der VÖEST reicht vom sozialen Wohnbau über die medizinische Versorgung der Mitarbeiter bis hin zur Kinderbetreuung im Betrieb.