1938-1945

Der Standort Linz der Reichswerke AG "Hermann Göring" Berlin.

Südliche Hafenwand gegen die Hochofengruppe

Am 13. Mai 1938 erfolgt in Linz-St. Peter der Spatenstich für die Reichswerke Aktiengesellschaft für Erzbergbau und Eisenhütten "Hermann Göring" als Tochtergesellschaft der 1937 gegründeten Reichswerke AG Berlin. Die rund 4.500 Bewohner von St. Peter/Zizlau werden in andere Stadtteile umgesiedelt.

Im März 1939 verkauft die Vereinigte Stahlwerke AG in Düsseldorf unter starkem politischen Druck 56 Prozent des Aktienkapitals der Österreichisch-Alpine Montangesellschaft an die Reichswerke Hermann Göring. Im selben Jahr kommt es zur Fusion der Reichswerke Linz mit der Alpinen Montangesellschaft zur Alpine Montan Aktiengesellschaft "Hermann Göring" Linz. 1941 wird der Firmenwortlaut in Reichswerke Aktiengesellschaft Alpine Montanbetriebe "Hermann Göring" Linz geändert.

Die Berliner Reichswerke besitzen am Standort Linz fünf große Unternehmen: die Hauptverwaltung der Reichswerke Alpine Montan als Muttergesellschaft über alle Standorte in Österreich, die Hütte Linz, die Stahlbau GmbH, die Eisenwerke Oberdonau GmbH sowie die Versorgungsbetriebe der Hütte Linz.

Die am 25. April 1939 gegründeten Eisenwerke Oberdonau GmbH nehmen 1940/41 die Erzeugung von Panzer(ersatz)teilen auf. Sie bestimmt den Bedarf an Stahlproduktion und avanciert später zum größten deutschen Panzerwerk. Der Firmenkomplex in Linz geht ab 1941 sukzessive in Betrieb. Die ersten beiden Hochöfen werden angeblasen und das Kraftwerk der Hütte Linz wird in Betrieb genommen. Kriegsbedingt verzögert sich der Ausbau des ursprünglich geplanten integrierten Stahl- und Hüttenwerkes. Der Bau der Eisenwerke Oberdonau bekommt als Rüstungsbetrieb höchste Priorität. Es werden u. a. ein Stahlwerk, ein Blechwalzwerk, eine Stahlgießerei, eine Gesenkschmiede und eine Vergüterei errichtet. Im Sommer 1944 beginnen die alliierten Bombenangriffe auf Linz und auf das Werksgelände.

Die Linzer Werke hätten ohne Einsatz ausländischer Arbeitskräfte nicht gebaut und die Rüstungsgüter nicht produziert werden können, da die dafür benötigten Arbeitskräfte am inländischen Arbeitsmarkt (Österreich und Deutschland) nicht verfügbar waren. Die Gründe lagen einerseits in der Dimension des Firmenkomplexes, die das Arbeitskräfteangebot bei weitem überschritt, andererseits herrschte kriegsbedingt ein starker Arbeitermangel.

Die ersten zivilen ausländischen Arbeitskräfte treffen im Sommer 1938 für den Aufbau in Linz ein. Später, ab 1940/1941, werden Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene sowie ab Ende 1942 männliche KZ-Häftlinge eingesetzt. Die KZ-Häftlinge werden in zwei auf dem Firmengelände eingerichteten Außenlagern des KZ Mauthausen eingewiesen und in der Hütte Linz, der Eisenwerke Oberdonau GmbH und der Stahlbau GmbH als Zwangsarbeiter eingesetzt. Diskriminierende Sonderregelungen über die Behandlung und Verpflegung nach rassistischen Motiven der NS-Ideologie für die einzelnen Nationalitäten unterstreichen den Zwangscharakter des sogenannten Arbeitseinsatzes seit 1940. Und obwohl erst zu diesem Zeitpunkt die heiße Phase der Rekrutierung von Zwangsarbeitern beginnt, sind bereits 1939 deutliche Zeichen der bewussten Repression auf Werksebene festzustellen.

Der Beschäftigtenstand der Linzer Werke erreicht 1944 seinen Höhepunkt. Der Ausländeranteil (ohne Kriegsgefangene und KZ-Häftlinge) beträgt damals durchschnittlich zwei Drittel, in einzelnen Betriebsteilen sogar mehr als 90 Prozent (z. B. in der Schmiede). Etwas mehr als 10 Prozent der ausländischen Arbeitskräfte am Standort Linz sind Frauen.