60 Jahre Linz-Donawitz-Verfahren

Vor 60 Jahren wurde der weltweit erste im industriellen Maßstab fertigende Tiegel für das LD-Verfahren in Linz in Betrieb genommen. Ein Meilenstein in der Geschichte der Stahlerzeugung. Und für die voestalpine ein besonderer Grund zu feiern: Es war die Geburtsstunde des modernen Konzerns.

Am 27. November 1952 wurde bei der damaligen VÖEST in Linz im LD-Stahlwerk 1 nach gut sechs Jahren Forschung und Entwicklung der erste Tiegel mit 30 Tonnen LD-Stahl abgestochen. Für alle Beteiligten war dies ein wichtiges und großes Ereignis und zugleich Startschuss für den weltweiten Siegeszug des LD-Verfahrens: einer Methode, um aus Eisen Stahl zu erzeugen, bei der reiner Sauerstoff auf flüssiges Roheisen aufgeblasen wird. Dieser Vorgang beschleunigt oder ermöglicht erst die Verbrennung der Begleitelemente des Roheisens wie Kohlenstoff, Mangan, Phosphor, Schwefel, Silizium etc. Im LD-Verfahren produzierter Stahl zeichnet sich vor allem durch seine Reinheit aus und ist zu 100 % wiederverwertbar – „artgleich“ und ohne Qualitätsverluste.

Die ersten Schritte

Die offizielle Eröffnung des Stahlwerks durch Bundespräsident Theodor Körner fand bei bereits laufender Produktion am 5. Jänner 1953 statt. Das zweite LD-Stahlwerk wurde kurz darauf – am 22. Mai 1953 – bei der Österreichisch-Alpine Montangesellschaft (ÖAMG) in Donawitz in Betrieb genommen. Schon im Juni waren die ersten 100.000 Tonnen LD-Stahl produziert und Anfang Dezember wurde die 250.000. Tonne abgestochen. Das war aber erst der Anfang. Denn das LD-Verfahren weckte schnell internationales Interesse, und neue Wege zur Vermarktung wurden erschlossen.

Neue Wege gehen

Zum praktischen Beweis der vollen Eignung von Blechen aus LD-Stahl für Schiffsbauzwecke entschied sich die VÖEST 1957 zum Bau von Hochseeschiffen. Und bereits gut ein Jahr später, am 17. Dezember 1958, läuft die „M.S. Linzertor“ vom Stapel. Das erste von der VÖEST fertiggestellte Frachtmotorschiff aus LD-Stahl hatte eine Tragfähigkeit von 14.000 Tonnen. Sie bewies allen Kritikern, dass LD-Stahl der ideale Werkstoff für den Schiffsbau ist. Kostengünstiger in der Herstellung und eben deutlich reiner als bisher verwendete Stähle, stellte Stahl aus dem LD-Verfahren Reeder und Werften zur Gänze zufrieden. Und bis Ende 1959 waren schon rund 50.000 Tonnen LD-Stahl allein für den Schiffsbau verkauft.

Zeitgleich mit der Erschließung des Schiffbaus als Absatzweg begann die VÖEST 1957 auch auf einem gänzlich anderen und neuen Geschäftsfeld ihre Tätigkeit: Gemeinsam mit der Firma Krupp errichtete sie in Rourkela, 460 km südwestlich von Kalkutta, das erste LD-Stahlwerk außerhalb Österreichs. Quasi als Einstieg in den internationalen Industrieanlagenbau, der sich von da an zu einem bedeutenden Standbein der voestalpine entwickelte.

LD-Stahl formt die Welt

1960 wurden 4 % der gesamten Weltrohstahlerzeugung nach dem LD-Verfahren hergestellt. 1970 bereits 40 %, 1974 stieg der Anteil auf fast 50 %, 1992 waren es 60 % und heute, 60 Jahre nach dem ersten Abstich in Linz, sind es rund zwei Drittel. Das LD-Verfahren führte dazu, dass sich die Stahlproduktion seit damals weltweit von 200 Mio. auf derzeit rund 1,5 Mrd. Tonnen pro Jahr erhöhte. Denn das Verfahren machte bestimmte Stahlqualitäten und -anwendungen – beispielsweise im Automobilsektor oder dem Energiebereich – überhaupt erst möglich.

Die Geschichte zum Nachlesen

Erfahren Sie detailliert, wie es zur Erfindung des LD-Verfahrens kam. Auf Anfrage erhalten Sie die Broschüre direkt von voestalpine. Bestellen Sie diese über innovation@voestalpine.com mit dem Betreff „Broschüre: Das Linz-Donawitz-Verfahren“.