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„Kann es überhaupt noch eine Steigerung geben?“, fragte die Kronen Zeitung in ihrem Bericht über das voestival des vergangenen Jahres. Ja, es kann! Unter dem Motto Circus meets Classic – Ein Sommernachtstraum“ ging das siebente voestival über die Bühne – zum zweiten Mal in der Grobblechhalle. Rund 4.000 Menschen wurden dabei für zwei Stunden vom Circus Roncalli und dem Bruckner Orchester Linz in einer Weise unterhalten, wie man sie nur beim voestival findet. Versprochen ist ver… Bernhard Paul, Gründer und Direktor des Circus Roncalli hatte im Vorfeld bei der Pressekonferenz eine berauschende Aufführung mit zahlreichen Überraschungen angekündigt und damit keinesfalls übertrieben. „Schließlich will ich mich in meiner Heimat nicht blamieren“, versicherte der in Lilienfeld in Niederösterreich geborene, nun aber in Köln wohnhafte Paul.
Der Abend begann kraftvoll mit Taiko-Trommlern der Gruppe „Wadokyo“. Anfang 2000 in Düsseldorf gegründet, hat sich die Gruppe mit ihrem Taiko-Stil inzwischen in Europa einen Namen gemacht. Ihre kraftvollen Schläge und Rhythmen griffen wie Zahnräder ineinander und ließen dabei dennoch Raum für die individuelle Entfaltung eines jeden der fünf Trommler. I feel good. Es folgten eine spektakuläre High-Speed-Akrobatik auf Rollschuhen
und ein erster Auftritt des bekannten russischen Clowns Jigalov alias Andrey Zhigalov. Als Möchtegern-Rock-Sänger nervte er mit pantomimischer Brillanz – für die er schon 1992 beim Zirkusfestival in Paris mit einer Goldmedaille belohnt wurde – seinen kongenialen PartnerCsaba. Traktiert vom kleinen sympathischen Fiesling, versuchte dieser auf der Querflöte zu spielen, bis beide durchnässt, aber versöhnt waren. Unter dem Dirigat des Deutschen Marc Reibel, der seit 2001 am Landestheater Linz engagiert ist, kam dabei das Bruckner Orchester zwischen den einzelnen Nummern der Zirkuskünstler nicht zu kurz und bot weit mehr als die dezente musikalische Umrahmung der artistischen Darbietungen. Auch die Begleitung und Unterstützung durch das Roncalli Orchester wirkte nicht aufgesetzt, sondern war die harmonische, logische Erweiterung, um moderne Songs mit Schlagzeug und E-Gitarre untermalen zu können. Jonglage im Frack. Am treffendsten personifizierte diesen Crossover zwischen Artistik und Klassik der junge Berliner Jongleur Martin Mall. Aus einem Streichquintett heraus löste sich Mall und ließ spielerisch seine weißen Bälle über den Bogen und über die Saiten seines Cellos gleiten. Den Bogen beiseite gelegt, vervielfachte sich die Zahl der Bälle, die Mall balancierte, um am Ende wieder zum Cello-Spiel zurückzukehren. Fußjonglage der Extraklasse zeigten die temperamentvollen Zwillinge Maryna und Svetlana aus Weißrussland. Die beiden bezauberten mit ihren „fliegenden Tüchern“ und vollbrachten mit ihren Fußspitzen wahre Spitzenleistungen. Temperamentvoll und mit viel Gefühl für Choreographie ließen sie die Tücher auf ihren Händen und Füßen tanzen und faszinierten mit einer Mischung aus technisch brillanter
Antipodenkunst und Sinnlichkeit. Körpervision. Höhepunkt für viele war jedoch das kanadisch-ungarische Duo
„La Vision“, das Körperkunst in höchster Vollendung darbot. Richard Jecsmen und Yana Semilet >>> schienen keine Schwerkraft zu kennen und führten das perfekte Zusammenspiel zweier Körper vor, das an Gleichklang
und Anmut nicht zu überbieten zu sein scheint. Das ebenfalls perfekte Zusammenspiel des klassischen
oberösterreichischen und des Zirkusorchesters unterstrich ihre eindrucksvolle Darbietung noch einmal.
Pure Muskelkraft war das zentrale Element im Auftritt der Pellegrini Brothers. Die drei Brüder Ernaldo, Anatale und Andrea Pellegrini entstammen in der vierten Generation einer berühmten italienischen Zirkusfamilie und arbeiten seit 22 Jahren zusammen. Die Pellegrinis lernten zunächst verschiedene Zirkustechniken, bis sie sich 1993 zu der beim voestival gezeigten Hand-auf-Hand-Akrobatik zusammentaten. Ergänzt wird das Quartett von Oleg Anissimof, einem Esten, der von den dreien quasi als Pellegrini adoptiert wurde. Besonders Andrea Pellegrini zeigte sich beeindruckt vom Ambiente der Grobblechhalle. „Es ist das erste Mal, dass wir in einer Fabrik auftreten“, erzählte er nach der Vorstellung. Osteuropäisches Bingo. Zu den innovativen Strömungen des Zirkus ist der Circus Theater Bingo zu zählen. Die meisten der Ensemblemitglieder stammen aus der Ukraine und Moldawien und arbeiten seit rund fünf Jahren zusammen. Circus Theater Bingo präsentierte eine speziell für das voestival entwickelte Nummer. Strapaten, Vertikalseil, Doppeltuch, Trapez und Ring: Bei fünf gleichzeitig vorgetragenen Luftnummern wurde es dem Besucher schwer gemacht, das Auge so zu lenken, ohne das Gefühl zu haben, man würde etwas versäumen. Nicht nur das Publikum in Linz war von diesem Gesamtkunstwerk begeistert, sondern auch beim Internationalen Circus Festival von Monte Carlo 2003 hatte das Ensemble überzeugen können wo es mit dem „Silbernen Clown“ ausgezeichnet worden war.
Gläser & Konfetti. Den Abschluss des voestivals bildete der „Kristalleon“ Christoph Müller, der – in 400 Spiegel
gekleidet – mit seinen Fingern bekannte Melodien aus mit Wasser gefüllten Gläsern erklingen ließ. Auch hier verschmolzen Zirkus und Klassik noch einmal in perfekter Harmonie zu einer Einheit, wie man sie nur beim
voestival findet. Das Publikum dankte mit Standing Ovations, während Tausende Schmetterlinge im Konfetti-
Regen von der Hallendecke schwebten.




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