Der Rat für Forschung und Technologieentwicklung rückt eine Bildungsoffensive in den Mittelpunkt der "Forschungsstrategie 2020". Ratsvorsitzender Knut Consemüller sieht in diesem Thema eine "ökonomische und politische Überlebensfrage".
"Aktuelle Arbeitsmarktdaten und anhaltende Proteste der Studierenden sind Ausdruck eines akuten Handlungsbedarfes. Sie zeigen die Notwendigkeit rascher Reformen im österreichischen Bildungssystem auf, wenn Österreich mit der internationalen Entwicklung Schritt halten will", stellt der Forschungsexperte Knut Consemüller fest.
Der Rat für Forschung und Technologieentwicklung, dem Consemüller vorsitzt, verlangt daher eine "Bildungsoffensive", die auf vier Säulen beruhen soll.
Steigender Bedarf im technischen Bereich
Laut internationalen Prognosen werde der Bedarf an hochqualifizierten Beschäftigten – und hier vor allem im technischen Bereich – von knapp 22 Prozent noch im Jahr 2000 auf fast 35 Prozent im Jahr 2020 steigen; im Gegenzug nehme die Anzahl der Arbeitsplätze mit niedrigem Qualifikationsniveau im selben Zeitraum von 32 auf knapp 17 Prozent signifikant ab.
„Diese Entwicklung ist im Gange, und wir müssen darauf vorbereitet sein. Weder der Staat noch die Wirtschaft noch die Gesellschaft können es sich leisten, auf umfassende Aus- und Weiterbildungsmaßnahmen zu verzichten“, unterstrich Consemüller.
Vor allem die zunehmende Nachfrage im naturwissenschaftlich-technischen Bereich sei bereits seit Jahren gegeben. Das prognostizierte Wachstum für Naturwissenschafter und Techniker in Österreich wird laut Wirtschaftsforschungsinstitut im Jahr 2012 dem Vierfachen des gesamten Beschäftigungswachstums (berechnet für Zeitraum 2006 bis 2012) entsprechen, das entspricht fast 21.000 Personen. Daher müssten "umgehend" entsprechende Maßnahmen zur Hebung der Absolventenzahlen gesetzt werden, forderte Consemüller.
Die österreichische Hochschulzugangsquote bewege sich mit 40 Prozent klar unter dem OECD-Durchschnitt von 56 Prozent. Auch bei den Abschlüssen im Tertiärbereich (Hochschulbildung) liege Österreich deutlich unter dem OECD-Schnitt, bei den entsprechenden öffentlichen Ausgaben jedoch deutlich darüber.
Mit einem Wort: „Im internationalen Vergleich investieren wir viel und bekommen wenig. Diese Lücke müssen wir schließen.“
Keine Innovationen ohne Bildungsfundament
Um international nachhaltig konkurrenzfähig zu bleiben, schlägt der Forschungsrat – entsprechend der Forschungsstrategie 2020, die stark auf den Bereich Humanressourcen fokussiert – vier Maßnahmenbündel vor:

„Die Frage der Humanressourcen und der Bildung ist für unsere Gesellschaft nicht nur eine zentrale Herausforderung, sie ist zur Überlebensfrage geworden – sowohl ökonomisch als auch politisch", betonte Consemüller.
Zur Person:
Der gebürtige Dortmunder Knut Consemüller studierte Eisenhüttenkunde in Aachen und Wirtschaftswissenschaften in Köln. Während seiner Studien absolvierte er mehrere Praktika in England und Schweden. Er promovierte 1969 am Institut für Eisenhüttenkunde der TH Aachen. Danach war Consemüller bis 1989 bei der Hoesch-Stahl AG beschäftigt, bei der er 1980 in den Vorstand berufen wurde. 1989 übernahm der Werkstoffspezialist die strategische Planung bei der damaligen VOEST-ALPINE-Stahl AG. 1991 wurde er schließlich als Verantwortlicher für Forschung & Entwicklung in den Vorstand des Böhler-Uddeholm-Konzerns berufen. Knut Consemüller war von 1976 bis 1984 Mitglied des deutschen Technologie-Beirates. Er wurde vom Bundesminister für Verkehr, Innovation und Technologie in den österreichischen Rat für Forschung und Technologieentwicklung berufen und bei der konstituierenden Sitzung des Rates am 6. September 2000 zum Vorsitzenden gewählt; in dieser Funktion wurde er auch für die zweite Funktionsperiode des Rates von 6. September 2005 - 5. September 2010 bestätigt.
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