Weltgrößte Spindelpresse für hochpräzise Flugzeugteile 2 Minuten Lesezeit
Luftfahrt

Weltgrößte Spindelpresse für hochpräzise Flugzeugteile

Volkmar Held

Für den Einsatz in Luftfahrzeugen stellen die Flugzeughersteller höchste Ansprüche an Material und Produktionstechnologie. voestalpine realisiert diese Herausforderung mit gewaltigen, hochpräzisen Spindelpressen, die dicht an der bestellten Form arbeiten.

Da steckt Power drin: Ein Triebwerk des Airbus-Großflugzeugs A380 wiegt 6,5 Tonnen und erzeugt einen Schub von 200.000 PS. Seine Aufhängung, die den sicheren Sitz am Flügel garantiert, bringt dabei lediglich 77 kg auf die Waage.

Weltgrößte Spindelpresse

Die Kapfenberger Luftfahrtzulieferer greifen zur Realisierung solcher Anforderungen zu superfesten Stahl-, Titan- und Nickelbasislegierungen. Da diese Materialien aber auch extrem teuer sind, prüfen sie, wie prozessbedingte „Produktionsreste“ so gering wie möglich gehalten werden können. Die BÖHLER Schmiedetechnik GmbH & Co KG fertigt daher besonders stabile Bauteile mit einem gigantischen Gerät: mit der weltgrößten Spindelpresse. Mit ihrer 8 Meter langen und über 2 Meter dicken Spindel erreicht sie eine Presskraft, die dem Schub von 11 Spaceshuttle-Starts in den Weltraum entspricht. Diese hohe und genau dosierbare Umformenergie erlaubt das Schmieden höchstfester Teile mit einer hervorragenden Materialausnutzung. Gleichzeitig garantiert sie gleichmäßigere Materialqualität – eine der Voraussetzungen für die geprüfte Anerkennung als Lieferant hochbeanspruchter Bauteile in Flugzeugtypen, die mehr als 25 Jahre fast unverändert im Produktionsprogramm bleiben.

Flugzeugteile

Eng am Limit

Die enormen Kräfte der Spindelpresse bewähren sich insbesondere beim sogenannten endkonturnahen Schmieden. Mit diesem Prozess erreichen die Experten in Kapfenberg mit geringem Materialeinsatz und niedrigem Nachbearbeitungsaufwand die vom Kunden benötigte Kontur, sogar in Radien oder bei Übergängen.

Das Ausgangsmaterial wird in Form von bis zu 350 mm dicken Stäben geliefert und in der Vorformlinie mit zwischengeschalteten Erwärmungsphasen grob vor- und im Gesenk umgeformt. Je nach Komplexität des Schmiedeteils kann dieser Prozess ein oder mehrere Male erfolgen, bis das Teil zu seiner endgültigen Form geschmiedet ist, gefolgt von Wärmebehandlung, Erprobung und Fertigbearbeitung. Ein derart hoher Produktionsaufwand für Komponenten wie beispielsweise Triebwerksaufhängungen verlangt eine optimale Vorbereitung. Dafür verbesserten die Entwickler der BÖHLER Schmiedetechnik die Möglichkeiten der Computersimulation des Werkstoffverhaltens im Umformungswerkzeug sowie die Voraussagemöglichkeit von Werkstoff- und Fertigteileigenschaften.

Bei voestalpine wird Materialkompetenz mit technologischer Exzellenz verbunden. Beim endkonturnahen Schmieden werden mithilfe von tiefgehendem Know-how wertvolle Luftfahrtmaterialien effizient, präzise und nachhaltig in Form gebracht.