Chinas Markt für Luftfahrt hebt ab 3 Minuten Lesezeit
Mobilität

Chinas Markt für Luftfahrt hebt ab

Volkmar Held

Wie auf vielen anderen Gebieten kann China auch im Luftfahrtbereich mit Rekordentwicklungen aufwarten.

shanghai-flugzeugDas chinesische Milliardenvolk ist unterwegs, innerhalb des Landes wie auch auf internationalen Strecken. Der Bedarf an Flugzeugen wird in den kommenden Jahren durch zunehmende Ankäufe gedeckt – aber auch durch die sich weiter entwickelnde chinesische Flugzeugindustrie.

Milliarden unterwegs

Das nach wie vor bestehende Wirtschaftswachstum, die stärkere Internationalisierung und ein gewachsenes Pro-Kopf-Einkommen üben einen unverkennbaren Einfluss auf den chinesischen Flugverkehrssektor aus. Wie Zahlen der Weltbank belegen, stieg das Passagieraufkommen chinesischer Luftfahrtunternehmen von 2011 bis 2014 um ein Drittel auf 391 Millionen Fluggäste an, mit steigender Tendenz. Dem tragen auch die Pläne des 13. Fünfjahrplans der Volksrepublik (2016-2020) Rechnung: 50 neue Flughäfen sollen in diesem Zeitraum errichtet werden, vor allem in den zentralen und westlichen Regionen. Zuzüglich werden u. a. die großen Hubs Peking, Shanghai und Guangzhou ausgebaut. Bereits 2015 beschloss die Regierung Investitionen in die Struktur des Personen- und Luftfrachtverkehrs in Höhe von 80 Mrd. USD. Von diesen Entwicklungen profitiert auch die Logistik internationaler Unternehmen wie voestalpine, die mit 24 Gesellschaften an 27 chinesischen Standorten, davon acht produzierende, vertreten ist.

Milliarden investiert

Um den wachsenden Luftverkehr zu bewältigen, entwickeln die chinesischen Luftfahrtunternehmen, die hauptsächlich in staatlicher Hand sind, auch ein umfangreiches Beschaffungsprogramm. Wie der US-Flugzeugbauer Boeing in einer Studie feststellt, soll der asiatische Wirtschaftsriese seinen Flottenbestand von 1.500 Fliegern (2015) bis 2029 auf mehr als 5.000 Flugzeuge erhöhen. Verträge des vergangenen Jahres über den Kauf von 300 Boeing 737 und hundert A320 des europäischen Konkurrenten EADS (Airbus) sind hier nur ein Anfang.

Die Kaufverträge mit den Marktherrschern sollen jedoch nicht allein die Versorgung mit fliegendem Material sichern. Sie sind verbunden mit Vereinbarungen über die Errichtung von Endmontagefabriken im ostchinesischen Tianjin. Auf diesem Weg will China seinen Mangel an Know-how im Flugzeugbau beheben: Der Wissenstransfer soll vor allem dem staatlichen Produzenten Commercial Aircraft Corporation of China (COMAC) zugutekommen. Eine finanzielle Rahmenvereinbarung sicherte 2015 dem Unternehmen 8 Mrd. USD Entwicklungs-, Produktions- und Marketinghilfe zu. Mit einem eigenen Flugzeugprogramm will China künftig – durchaus auch mit protektionistischen Maßnahmen – den eigenen Bedarf decken und in Afrika und Südostasien Marktanteile gewinnen. Der COMAC-Mittelstreckenflieger C919 (158 Plätze, ca. 5.500 km Reichweite) soll in diesem Jahr in Serienproduktion gehen, das Großraumflugzeug C929 (300 Passagiere) sei in Planung.

voestalpine in China

Eine beachtliche Aufwärtsentwicklung planen auch die Gesellschaften der voestalpine in China. Setzten sie im Geschäftsjahr 2015/16 noch 380 Mio. EUR um, beläuft sich das strategische Konzernziel 2020 auf 800 Mio. EUR. Von den zehn voestalpine-Werken, die bis zu diesem Zeitpunkt geplant sind, konnten sechs bereits in Betrieb genommen werden. Die vier Divisionen des Konzerns haben in den letzten Jahren ihr Engagement in China verstärkt; allein in den beiden letzten Geschäftsjahren wurden rund 70 Mio. EUR in den Neu- und Ausbau sowie die Modernisierung von Standorten investiert.