Chinas neue Seidenstraße 2 Minuten Lesezeit
Bahn

Chinas neue Seidenstraße

Volkmar Held

Chinas neue Seidenstraße „OBOR“, ein Netz von Bahnverbindungen, soll das moderne Reich der Mitte nicht nur mit Europa verbinden.

Die Seidenstraße verband einst das chinesische Großreich vor allem mit den nahöstlichen und europäischen Handelszentren. In Anlehnung an die historische Handelsroute interpretiert das moderne Reich der Mitte die Seidenstraße neu.

Karawane auf Schienen und zur See

„One Belt, one Road“ („yi dai yi lu“) ist der neue Name der alten Karawanenstraße, kurz „OBOR“. Er steht für den Ausbau der Seewege Richtung Südasien und Europa, vor allem aber für ein Netz neuer Bahnverbindungen. Beide sollen mit umfangreichen Investitionsprojekten entlang Land-Gürtel und Seestraße einhergehen. Die von Chinas Präsident Xi Jinping ausgerufene Initiative bezeichnet das deutsche Nachrichtenmagazin DER SPIEGEL bereits als „das größte Konjunkturprogramm seit dem Marshallplan“.

Das weltgrößte Konjunkturprogramm

Die Eckdaten von OBOR sind beeindruckend:

  • 60 Länder involviert.
  • Mindestens drei (inter)kontinentale Hochgeschwindigkeitstrassen.
  • Chinesische Banken stellen fast eine Billion US-Dollar zur Verfügung.
  • Volle Funktionsfähigkeit bis 2049, zum 100. Geburtstag der VR China.

Die neue Seidenstraße wird ein Netzwerk in verkehrstechnischer wie in politischer Hinsicht. Für die chinesische Volkswirtschaft bedeuten diese neuen Verbindungen die geopolitische Anbindung u. a. an den europäischen Markt und seine Volkswirtschaften.

„Halb so teuer, doppelt so schnell“

Für die Nutzer der ausgebauten Frachtverbindungen fasst diese Faustformel die Vorteile der Bahnverbindung zusammen: Transportkosten via Bahn kosten schätzungsweise die Hälfte des Lufttransportes. Und verglichen mit dem Seetransport, sind die Bahn-Transportzeiten doppelt so schnell. voestalpine greift seit 2015 bedarfsweise zur Bahnoption und sendet Terminfracht über die pünktlichere 11.000-Kilometer-Bahnverbindung nach China.
Die chinesische Führung sieht diese Transportoption als eine Ergänzung zur Luft- und Seefracht an. Sie gilt ihr als ein Teil der chinesischen „Go West“-Strategie. Investment und gemeinsamer Handel sind dabei Hauptziele des OBOR-Projekts – dazu gehört u. a. eine engere Bahnanbindung an Europa.

High Speed inklusive

Der Ausbau der OBOR-Bahnverbindungen erfolgt über ein Netzwerk von herkömmlichen wie Hochgeschwindigkeitsstrecken (HGS). Darunter etwa die HGS Bulgarien – Xinjang (Ost-China), die HGS Peking – Moskau oder etwa die Strecke China – Singapur über Laos, Thailand, Malaysia (Anschluss des Golfs von Thailand an das chinesische Bahnnetz) und viele weitere.

Die Seidenstraße war in der Geschichte immer auch eine Route des Austauschs von Ideen und Philosophien. Wie weit diese kommunikative Funktion des historischen Vorbilds wieder aufgenommen wird, bleibt abzuwarten.

Seidenstraße China

 

Information Botschaft der Volksrepublik China in der Bundesrepublik Deutschland