Kommunikation als Herausforderung 3 Minuten Lesezeit
Arbeitswelten

Kommunikation als Herausforderung

Irene Coughlin

In ihrem dritten Blogartikel beschreibt unser internationales „High Mobility Pool“-Mitglied Irene Coughlin aus Kanada, wie sie mit Missverständnissen in der täglichen Kommunikation umgeht.

High Mobility Pool - Irene CoughlinDie größten beruflichen Herausforderungen stellen für mich nicht etwa ein neuer Job, neue Aufgaben, neue Anforderungen, die an mich gestellt werden, ein neues Büro, neue Arbeitsabläufe oder neue Kolleginnen und Kollegen dar – am schwierigsten ist es, mit ständig neuen Kommunikationsmethoden umzugehen. In jedem Arbeitsumfeld braucht es seine Zeit, bis man gelernt hat, wie man mit Gruppen, Teams und einzelnen Personen am besten kommuniziert. In unserem Fall – mit dem High Mobility Pool – müssen wir lernen, in einer neuen Kultur und in einer neuen Sprache effizient zu kommunizieren.

 

Während ich bisher den Großteil meiner Projekte in Unternehmen und an Standorten durchgeführt habe, deren Arbeitssprache vor allem Englisch war, habe ich nun mit vielen E-Mails, Dokumenten und Präsentationen zu tun, die auf Deutsch verfasst sind. Einmal musste ich mir Daten für eine Analyse aus deutschsprachigen Unterlagen über einen Geschäftsfall zusammensuchen, der sich über fünf ganze Jahre erstreckte. Da ich zuerst alles übersetzen musste, brauchte ich natürlich viel länger als sonst. Auch in anderen Situationen, wie zum Beispiel in der Kaffeeküche oder an anderen Treffpunkten im Büro, bin ich mit Deutsch konfrontiert. Danach habe ich dann oft das Gefühl, etwas Wichtiges nicht verstanden zu haben. In diesen Situationen frage ich immer nach, ob das Gespräch für meine Arbeit relevant war.

 

Ein weiteres, wesentlich subtileres Beispiel für die Unterschiede in der Kommunikationskultur ist die Art und Weise, in der um Unterstützung, Informationen oder Feedback gebeten wird. In Kanada, von wo ich komme, werden Bitten immer liebenswürdig und sanft vorgetragen und zum Beispiel wie folgt eingeleitet: „Würde es Ihnen etwas ausmachen?“, „Darf ich Sie kurz stören?“, „Wären Sie so lieb …“ oder „Könnten Sie bei Gelegenheit …“. Ich bin es gewohnt, grundsätzlich positives Feedback zu bekommen, in dem auf Verbesserungspotenzial hingewiesen wird. Nur selten wird uns eine Bitte glattweg abgeschlagen oder geradeheraus gesagt, dass wir etwas falsch gemacht haben.

"Mittlerweile habe ich gelernt, meine Anliegen mit mehr Nachdruck vorzutragen. Ich erwarte und schätze jetzt promptes und sachliches Feedback, sodass ich eine Aufgabe schnell und effizient erledigen kann."
ZitatIrene Coughlin

Ich nehme es nicht mehr so persönlich, wenn ich negatives Feedback bekomme und ich bemühe mich nach besten Kräften, meinen Kommunikationsstil an das Zielpublikum anzupassen. Und schließlich habe ich mich bei einem Deutschkurs angemeldet. Sechzehn Wochen mit jeweils sechs Unterrichtsstunden – und damit werde ich auch weitermachen, wenn ich an meine nächsten Projektstandorte weiterziehe.