Sternstunde der DTM oder: Auf nach Spielberg! 3 Minuten Lesezeit
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Sternstunde der DTM oder: Auf nach Spielberg!

Timo Völker
Timo Völker is head of the motorsports section at "Die Presse", a daily newspaper in Austria.

Die Rennserie, die puren Motorsport bietet, tagt in Österreich – und ein Österreicher hat alle Chancen, sich auf dem Red Bull Ring unsterblich zu machen. Eine gute Gelegenheit, sich vom DTM-Virus anstecken zu lassen.

Die DTM steht traditionell im Schatten der Formel 1, was die Aufmerksamkeit des breiten Publikums angeht. Doch Motorsport-Connaisseurs griffen, vor die Wahl gestellt, vermutlich lieber zum DTM-Ticket als zur Formel 1-Karte. Denn was sich die DTM-Fahrer Rennen für Rennen liefern, würde in der vergleichsweise akademischen Formel 1 für mindestens eine Saison reichen: Duelle in allen Härtegraden, für gewöhnlich ganze Reigen von Überholmanövern und Spannung bis zum Fallen der Zielflagge sind Markenzeichen der Rennserie. Die Boxengasse steht den Besuchern phasenweise offen, undenkbar in der abgeschotteten Königsklasse; die DTM-Stars sind Typen zum Angreifen. Und da haben wir noch nicht von den Autos geredet.

Foto: Red Bull Content Pool.

Foto: Red Bull Content Pool.

DTM steht für spannende Wettkämpfe

Mit den ursprünglich von Serienmodellen abgeleiteten Tourenwagen haben die heutigen DTM-Renner nicht viel gemein, es sind doch reinrassige Rennwagen mit 4,0-Liter-V8 und Heckantrieb. Damit die Kosten nicht explodieren, setzt das aktuelle Reglement auf einheitliche Bauteile wie Reifen, Elektronik, Getriebe, Bremsen und sogar Heckflügel. Das soll sicherstellen, dass die Wettkämpfe auf der Rennstrecke und nicht in Labors und Windkanälen stattfinden – zur Freude der Fans, die sich höchst loyal und stets in großer Zahl (50.000 bis 60.000!) auf den Rängen einfinden.

DTM 2017 am Red Bull Ring

Wer sich noch nicht zu diesen zählt: Das kommende Weekend (22. bis 24. September 2017) ist eine besonders gute Gelegenheit, dem Reiz der DTM zu verfallen. Aus drei Gründen (einmal ganz abgesehen von der mitreißenden Darbietung puren Motorsports):

  • Erstens tagt die Serie in Spielberg am Red Bull-Ring
  • zweitens ist mit Nicolas Auer ein Österreicher am Start, und
  • drittens heißt der Boss der Rennserie seit diesem Jahr Gerhard Berger, ein den Österreichern sehr vertrauter Name.

Der 23-jährige Tiroler Auer ist übrigens Bergers Neffe und möchte den Tourenwagensport als Sprungbrett in die Formel 1 nutzen – am besten in einer Wiederholung von wiederum Bergers Biografie, denn auch dieser startete seine Karriere in einem Tourenwagen. Nicolas Auer ist zum Mercedes-AMG DTM HWA Team aufgestiegen, wobei HWA für den legendären AMG-Mitbegründer (und jetzigen Teamchef) Hans Werner Aufrecht steht. Das C-Klasse Coupé C63 DTM von Auer matcht sich mit BMW M4 und Audi RS5, jeweils in DTM-Ausführung.

Somit haben wir es mit einem Rennen der profiliertesten deutschen Premiummarken zu tun (alle übrigens bedeutende Kunden der voestalpine im Serienbau), was der Sache noch mehr Würze verleiht. Mercedes beispielsweise hält die meisten Meistertitel (9), muss aber seit 2010 ohne die begehrte Trophäe darben. Die letzten Jahre gerieten im Finale zum Schlagabtausch zwischen Audi und BMW (Gleichstand mit jeweils drei Titeln seit 2010).
Nun rangiert Nicolas Auer im Mercedes vor Spielberg auf dem zweiten Platz in der Fahrerwertung (hinter Mattias Ekströms Audi RS5), und dies sehr einsam, denn der nächste Mercedes hält erst auf Platz neun. Man stelle sich vor, was ein Erfolg von Auer in Spielberg bei der Stuttgarter Marke und all ihren Fans auslösen würde. Es sind nach dem Rennen am Red Bull-Ring nur noch drei Läufe bis zum Saisonende. Und jetzt wird es endgültig historisch: Mercedes zieht sich mit Ende der Saison 2017 aus der DTM zurück – damit liegt es wirklich in Auers Händen, den Abgang von Mercedes ruhmreich zu vergolden und für eine sportliche Sternstunde zu sorgen. Einfach wird es nicht – aber spannend!

 

Timo Völker