Spazieren in Neuland beim Höhenrausch 2016 3 Minuten Lesezeit
voestalpine open space

Spazieren in Neuland beim Höhenrausch 2016

Michael Leithinger

Im „Spiegelraum“ von Eva Schlegel lässt sich der voestalpine open space beim Höhenrausch 2016 neu erleben. Die namhafte österreichische Künstlerin im Interview über ihre Installation, deren Entstehung und Wirkung …

Auf welche Weise können Besucher heuer den voestalpine open space erleben?

Eva Schlegel

Eva Schlegel

Ich würde sagen, man kann Verwirrung erleben. Die Realität wird gedreht, gekippt und in alle Richtungen gespiegelt. Das Ergebnis ist ein dreidimensionales Labyrinth. Und die Menschen sind eingeladen, sich hinzusetzen oder durch das Labyrinth zu spazieren, virtuell in die Höhe oder in die Tiefe zu schauen, den Blick schweifen zu lassen, das Neuland spielerisch zu erforschen.

Also kein Spiegelkabinett?

Eva Schlegel im voestalpine open space

Eva Schlegel im voestalpine open space

Das ist es genau nicht! Im Spiegelkabinett wird der Körper verzerrt, wird dicker oder dünner. Das wollte ich nicht, es geht nicht um das Spiegelbild des Besuchers, man spiegelt sich ja ohnehin immer und überall, in jedem Spiegel, in jeder Auslage, in jeder Fensterscheibe. Im Spiegelraum geht es um das Spiegelbild des Raums, um die Erweiterung desselben.

Der Raum ist Ihr zentrales Arbeitsthema, was fasziniert Sie daran?

Die Moderne hat seit jeher versucht, neue Räume zu denken, in der Philosophie, in der Kunst, in der Architektur. Das finde ich einfach toll, wenn Räume – materielle und immaterielle – dekonstruiert und neu definiert werden. Diese Räume zu erforschen und einer Wahrnehmung zugänglich zu machen, das ist spannend. Es geht dabei auch um Sehnsucht.

Weckt der voestalpine open space Sehnsucht?

Ja, auf seine eigene Weise. Er lässt vieles offen, nicht zuletzt dank seiner Struktur. Ich habe ihn ja schon beim letzten und vorletzten Höhenrausch erlebt. Das ist ein cooles Teil, so wie der da oben liegt und hinausragt in den Raum …

Wie haben Sie sich dem voestalpine open space künstlerisch angenähert?

Bald war klar: Ich wollte sein modulares System für meine Arbeit nutzen. Mit Spiegeln habe ich schon mehrmals gearbeitet, wir haben dann im Atelier ein Modell des voestalpine open space nachgebaut, 1:100, dann einzelne Module 1:30, und dann das Spiegellabyrinth konstruiert.

102 Doppelspiegel machen nun die Installation aus. Wie passt der Spiegelraum zum Thema der Engel?

Die Engel sind in einem Raum unserer Vorstellung, der nicht fassbar ist, im Himmel, im Zwischenreich. Die Räume im Spiegelraum sind auch Projektionen, Abbilder der Realität. Und doch ist es nicht klar, ob sie jetzt existieren oder nicht. Wie bei den Engeln auch (lacht)

"Man kann Verwirrung erleben. Die Realität wird in alle Richtungen gespiegelt."
ZitatEva SChlegel

Die Künstlerin

Eva Schlegel lebt und arbeitet in Wien. Sie gilt als eine der renommiertesten Künstlerinnen Österreichs.

  • 1960 in Hall in Tirol geboren
  • 1979-85 Studium an der Hochschule für Angewandte Kunst, Wien, bei Oswald Oberhuber
  • 1997-2006 Professorin für Kunst und Fotografie an der Akademie der bildenden Künste, Wien
  • 2011 Kommissarin des Österreich-Pavillons bei der Biennale in Venedig
  • Zahlreiche nationale und internationale Ausstellungen

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