IPO 1995: Interview mit Erhard Koppler 3 Minuten Lesezeit
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IPO 1995: Interview mit Erhard Koppler

Viktoria Steininger
Holds editorial responsibility for blog topics, is researching and writing articles. Her stories give insights into the world of the voestalpine Group.

Interview mit Erhard Koppler, der zur Zeit des Börsengangs 1995 Vorsitzender des Konzernbetriebsrates war.

Erhard Koppler erhoffte sich, dass ein IPO wirtschaftliche Unabhängigkeit bringen und notwendige Investitionen finanzieren würde. Kapital, das vom bisherigen Eigentümer nicht mehr zu erwarten war. Er hatte aber auch Bedenken.

Ab wann haben sie bemerkt, dass der politische Wille existiert, die voestalpine zu privatisieren?

Erhard Koppler

Erhard Koppler

Erhard Koppler: Die Stimmung in der Politik und auch in der Bevölkerung war, aufgrund der Medienberichterstattungen über die Verstaatlichte, nicht sehr gut. Ich bin 1990 in das Parlament gekommen und habe bald begriffen, dass man sich vom Gedanken der Verstaatlichten verabschiedet. Nach ein, zwei Jahren wurde dann auch der Verstaatlichungsausschuss aufgelöst. Aber es war auch notwendig – man hat gespürt, dass eine andere Zeit angebrochen ist.

 

Dann hat man auch bald begonnen, das Unternehmen fit für die Börse zu machen. Was hat das auf der anderen Seite, bei der Belegschaft der voestalpine ausgelöst?

EK: Schon Anfang der 90er Jahre hat man das Unternehmen fit gemacht für „die Zukunft“, also von der Börse war da noch keine Rede – aus Sicht der Betriebsräte, auch kein Gedanke. Es hat bei der Belegschaft natürlich große Verunsicherung gegeben: Was passiert mit meinem Arbeitsplatz? Bleibt mein Unternehmen bestehen? Es gab ja viele Überlegungen, verschiedene Unternehmen zu schließen oder auszugliedern. Die Belegschaft hat auch an uns herangetragen, dass sie aufgrund der negativen Berichterstattungen – zum Unterschied von früher – sehr oft in aller Öffentlichkeit kritisiert wurden.

 

Wie war damals Ihre Einstellung zum Börsengang bzw. jene des Betriebsrats und welche Erwartungen oder Befürchtungen hatten Sie selbst?

EK: Vor 1995 gab es zwischen den Betriebsräten und der Regierung große Grabenkämpfe. Wobei uns schon klar war, dass die Privatisierung kommen wird und unsere Einstellung dazu auch gar keine negative mehr war. Wir machten uns aber wegen eines Ausverkaufs unseres Unternehmens Sorgen. Unser Wunsch war deshalb eine 50-%-Beteiligung des Staats plus eine Aktie. Oder – später beim Börsengang – haben wir darum gekämpft, dass zumindest 25 % und eine Aktie festgeschrieben wird. Aus heutiger Sicht muss man jedoch sagen, dass der Börsengang für das Unternehmen eine Erfolgsgeschichte war. Zur Absicherung für die Zukunft ist dann die Mitarbeiterbeteiligung gekommen und ich glaube, das ist eine hervorragende Lösung für unsere Sorgen von damals.

Vor zwei Jahrzehnten begann die voestalpine AG den Weg eines privatisierten, börsennotierten Unternehmens zu beschreiten. Die Serie „IPO 1995 – 20 Jahre an der Börse“ beschreibt markante Stationen auf dem Weg zum international erfolgreichen stahlbasierten Technologie- und Industriegüterkonzern.
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Viktoria Steininger